Heidenklamotten: Neue Kollektion STAIKSAW lieferbar

Urban Heathen Warrior

 

Die neue Kollektion STAIKSAW der Textilmarke HEIDENKLAMOTTEN ist kürzlich erschienen, welche immer größere Beliebtheit findet.

Seit kurzem hat auch der Asatru Shop die Marke in sein Sortiment aufgenommen, da kaum eine andere Bekleidungsmarke thematisch besser zum Asatru Shop passt.

Heidenklamotten die Bekleidungsmarke, welche insbesondere Anhänger des keltischen und germanischen Heidentums ansprechen soll präsentiert nun die neue Kollektion „STAIKSAW“. Die Motive der aktuellen Kollektion „STAIKSAW“ sind modisch, jung und frisch, aber dennoch immer mit dem Bezug zum Heidentum und Wikinger.

 

 

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Nordglanz – Weltenwende T-Shirt und Kapuzen-Jacke erschienen

Von Nordglanz ist nun ein ganz neues T-Shirt zum aktuellen Album „Weltenwende“ erschienen. Das Motiv selbst gibt es sowohl als T-Hemd wie auch als Kapuzen-Zipper-Jacke.

Bei dem Motiv handelt es sich um offizielles Nordglanz Merchandising.

Nordglanz - Weltenwende T-Hemd

 

Nordglanz - Weltenwende Kapuzen-Zipper-Jacke

 

Das Nordglanz – Weltenwende T-Hemd wie auch die Kapuzen-Zipper-Jacke kann beim Asatru-Shop bestellt werden.

 

 

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Die germanische Religion vor ihrem indo-europäischen Hintergrund

Die germanische Religion ist kein isoliertes Phänomen, sondern eng verwandt mit den Religionen der anderen indo-europäischen Völker von Europa bis Indien. Hier werden zahlreiche genaue Parallelen aufgezeigt, was für viele Interessierte ganz neu sein dürfte.

Vorbemerkung

Man kann immer wieder feststellen, dass viele Menschen nur eine sehr vage Vorstellung davon haben, dass es im vorchristlichen Europa überhaupt Religion gegeben hat. Erst bei näherem Nachdenken fallen einigen dann vielleicht jene Namen aus der griechischen Mythologie ein, die sie im Zusammenhang mit populären Versionen griechischer Sagenstoffe schon einmal gehört haben (Zeus, Herkules, Aphrodite usw.). Auch römische Gottheiten wie Iuppiter, Mars, Saturn usw. erzielen leichte Wiedererkennungseffekte, allerdings weniger auf Grund mythologischer Kenntnisse, sondern deshalb, weil diese Namen auch in unserer Kultur immer noch in vielen Zusammenhängen präsent sind. So tragen z.B. alle Planeten immer noch die Namen römischer Gottheiten, und auch alle Monatsnamen haben noch ihre alte römische Bezeichnung. Auch ein tieferes Verständnis der europäischen Kunst- und Literaturgeschichte ist ohne Kenntnis der antiken Mythologien undenkbar. Umgekehrt hat aber gerade das auch oft dazu geführt, dass z.B. die germanische Götterwelt weit mehr aus der extrem verzerrten Perspektive ihrer Rezeptionsgeschichte (wie z.B. den Opern Richard Wagners) bekannt ist, als aus den Quellen selbst. Und den wenigsten dürfte bewusst sein, dass sie noch täglich die Namen germanischer Gottheiten in Form unserer Wochentagsnamen im Mund führen.

Aber auch jenen, die tiefere Kenntnis der Materie haben, ist kaum bekannt, dass es sich hier nicht um verschiedene Einzelreligionen gehandelt hat, sondern um eine ursprünglich einheitliche Religion, deren Ausprägungen nicht nur ganz Europa, sondern auch Indien und den Iran umfassten. Diese zunächst einmal erstaunlich klingende Aussage bezieht sich natürlich auf die gemeinsame indoeuropäische Herkunft all dieser Völker. Wem diese Zusammenhänge unbekannt sind, tut gut daran, zuerst den Artikel „Die Indoeuropäer und ihre Entdeckung durch die Wissenschaft“ zu lesen (ebenfalls auf dieser Website zu finden), in dem die geschichtlichen Hintergründe allgemeinverständlich beleuchtet werden.

Genauso, wie sich alle indoeuropäischen Sprachen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückverfolgen lassen, so verhält es sich auch mit der Religion. Und genauso, wie sich die Sprachen im Lauf der Jahrhunderte auseinanderentwickelt, dabei aber große Übereinstimmungen behalten haben, so auch die Religionen. Wenn die römischen Autoren in ihren verstreuten Berichten über die germanische Religion deren Götter mit den eigenen namentlich gleichsetzen, so spricht dies eben nicht für hilfloses Unverständnis, sondern im Gegenteil dafür, dass sie in den germanischen Gottheiten problemlos jene griechisch-römischen Götter erkannten, die sie selbst auch verehrten.

Die Auseinanderentwicklung lag natürlich nicht nur an den ungeheuren geographischen und zeitlichen Räumen, sondern auch daran, dass viele sprachliche und religiöse Elemente der vorgefundenen eingeborenen Kulturen ihren Weg in das ursprünglich einheitlichere indoeuropäische Erbe fanden.

Hier sollen nun einmal die markantesten Beispiele für diese oft bis ins Detail übereinstimmenden Mythen aufgezeigt werden. Es muss betont werden, dass es sich dabei weder um vereinzelte Zufälligkeiten handelt, wie sie in ähnlicher Form in allen Religionen der Welt auftreten können, noch um Übernahmen von einer Religion in die andere, sondern um Gemeinsamkeiten, die ganz klar auf den gemeinsamen Ursprung der Indeoeuropäer zurückzuführen sind.

Nun ist die vergleichende Mythologie eine recht komplizierte Materie, und Fachleute mögen mir verzeihen, wenn manches hier recht vereinfachend und plakativ dargestellt ist. Es geht hier aber gerade darum, diese meistens nur Spezialisten bekannten Tatsachen möglichst so allgemeinverständlich darzustellen, dass sie auch bei jenen Menschen zu einem Erkenntnisgewinn führen, denen dieses Wissen bisher vorenthalten wurde.

Die Quellen

Wenn wir uns hier hauptsächlich auf drei geographische Räume beschränken, nämlich Skandinavien, Indien-Iran und Griechenland, liegt das einzig und allein an der Quellenlage. Die ist für Indien und Griechenland hervorragend. Die mustergültig überlieferten indischen Traditionen auch aus ältester Zeit stellen einen wahren Glücksfall dar, hier vor allem der Rig-Veda und die anderen Veden. Auch das überlebende griechische Schrifttum ist beträchtlich. Als vorzügliche Quellen haben wir Homer und vor allem den fast gleichzeitig mit ihm lebenden Hesiod, der – ähnlich wie Snorri Sturluson mit seiner Edda – eine systematische Gesamtdarstellung griechischer Mythologie in seiner „Theogonie“ geliefert hat. Aber auch das weitere griechische Schrifttum bietet durchgängig viele Informationen über Weltbild und Gottheiten.

So berechtigt man einerseits die Quellenlage der germanischen Religion beklagen mag, so ist man andererseits damit doch noch reich beschenkt, wenn man sie mit der keltischen, slawischen und baltischen Mythologie vergleicht. Im Fall der Kelten kennen wir zwar etliche Namen von Gottheiten aus dem gallischen Bereich, sowie zahlreiche Heldensagen aus dem irischen Mittelalter, in denen auch Götter vorkommen. Leider sind diese Quellen aber zu lückenhaft, widersprüchlich und entstellt, um auch nur annähernd eine zusammenhängende Mythologie liefern zu können.

Im Fall der slawischen Religion ist das Bild noch düsterer. Auch hier sind einige Götternamen und Volksbräuche überliefert, mehr jedoch nicht. Die schriftlichen Quellen der slawischen Welt beginnen erst lange nach der gründlichen Christianisierung zu fließen, so dass man die meisten Details über die Religion der Slawen als endgültig verloren ansehen muss.

Sehr viel besser verhält es sich mit den baltischen Quellen, denn die Balten waren für lange Zeit wortwörtlich die letzten Heiden Europas. Seit dem 19. Jahrhundert sind dort von einheimischen Volkskundlern und Heimatforschern buchstäblich Tausende von Liedern aufgezeichnet worden, die sehr reiches mythologisches Material bieten. Das Problem ist, dass dies international noch kaum ausgewertet ist. Das liegt zunächst daran, dass außer den Balten selbst kaum jemand die litauische Sprache beherrscht (die übrigens die noch heute urtümlichste aller indoeuropäischen Sprachen ist, weit mehr als das Sanskrit). Das zweite Problem liegt in der politischen Geschichte, denn die baltischen Länder waren über Jahrhunderte Spielball der Großmachtinteressen, was dazu führte, dass die kulturelle Identität der Litauer und Letten stets unterdrückt wurde, und dass gerade im 20. Jahrhundert durch die gewaltsame Sowjetisierung kaum ausländische Forschungen vor Ort oder unzensierte internationale Publikationen litauischer Wissenschaftler möglich waren. So steht die Einbeziehung baltischer Mythologie in das Netz indoeuropäischer Zusammenhänge erst am Anfang, von der für die Zukunft aber sehr viel zu erhoffen ist. Das Wenige, das wir über die Religion der Kelten, Slawen und vor allem der Balten wissen, zeigt aber dieselben indoeuropäischen Parellelen.

Bleiben noch die lateinisch-römischen Quellen zu erwähnen, die ja ebenfalls äußerst reichhaltig sind. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Römer zur Zeit der Verschriftlichung bereits mehr oder weniger komplett die griechische Mythologie übernommen hatten. Die Griechen hatten schließlich vor dem Aufstieg Roms über lange Zeit die völlige kulturelle Herrschaft über große Teile Italiens ausgeübt. Was die Römer nicht von den Griechen übernommen haben, das stammt wiederum von den nicht-indoeuropäischen Etruskern im Norden Italiens, so dass wir außer dem alten Iuppiter kaum etwas besitzen, das sich als wirklich eigene römische Gottesvorstellung bezeichnen ließe.

Letztlich muss Ähnliches allerdings auch von der griechischen Mythologie gesagt werden. Die indoeuropäischen Vorfahren der Griechen stießen bei ihrem Eindringen auf alteingesessene Völker, die teilweise auf sehr viel höherem kulturellem Stand waren und von denen sehr viele Eigenheiten in die griechische Religion Aufnahme fanden. Auch dort ist Zeus die einzige Gottheit, die mit absoluter Sicherheit als indoeuropäisch angesehen werden kann.

Der Ursprung der Welt

Die germanischen Quellen berichten über den Zustand vor dem Werden der Welt von einem „gähnenden Abgrund“ (ginnungagap), der aber mit einer magischen Kraft gefüllt war.

Die Edda sagt:

„In uralten Zeiten, da gab es nichts, weder Sand noch Meer, noch nasskalte Wellen. Erde war nirgends und kein Himmel oberhalb davon, nur gähnender Abgrund.“

Vergleichen wir damit nun die folgenden Zeilen aus dem Rig-Veda (X, 129 ff.):

„Nicht existierte Nicht-Seiendes, noch auch existierte Seiendes damals, nicht existierte der Raum, noch auch der Himmel oberhalb davon. Exisitierte das Wasser? Nein, nur ein tiefer Abgrund.“

Dieser Abgrund war der Ursprung allen Seins, denn aus ihm entstand ohne Zutun irgendeiner Gottheit die Schöpfung des Kosmos. Die Edda sagt:

„Und der gähnende Abgrund wurde dort so warm wie die windlose Luft. Und wo sich der Reif und der heiße Luftzug begegneten, da taute und tropfte es. Und aus diesen Gischttropfen entstand Leben.“

Der indische Text:

„Es begann zu atmen, windlos, durch eigene Kraft. Der Keim, der von Leere bedeckt war, kam als Einziges zum Leben durch die Macht einer Hitze.“

Es ist schwer zu glauben, dass zwischen der Abfassung der beiden Texte nicht nur Tausende von Kilometern, sondern auch fast 2000 Jahre liegen. Sie sind nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Wortlaut her fast noch identisch.

Der Grieche Hesiod berichtet ebenfalls dasselbe (Theogonie 116):

„Zuerst war nur die gähnende Leere des Raumes (Chaos), danach die breitbrüstige Erde (Gaia), weiter entstand das Liebesbegehren (Eros).“

Auch hierzu ein identisches Detail aus dem Rig-Veda:

„Das Begehren bildete sich da im Anfang, das als Same des Denkens als erstes existierte.“

Jeder wird erkennen, dass hier nicht nur inhaltliche, sondern teilweise sogar wörtliche Übereinstimmung besteht, woraus man entnehmen kann, dass hier uralte Kultdichtung aus gemeinsamer indoeuropäischer Zeit in treuer Bewahrung überlebt hat. Dass die altnordische Version kein „vereinzelter Zufall“ oder eine Erfindung des Völuspa-Dichters ist, wird durch Bruchstücke aus dem süddeutschen Raum belegt. Obwohl es bereits aus christlicher Zeit stammt, haben sich in dem sogenannten Wessobrunner Gebet ebenfalls diese alten Kultzeilen über den Zustand der Welt vor ihrem Beginn erhalten:

„Es gab weder Erde, noch Himmel oberhalb davon, noch Baum, noch Berg. Auch schien keine Sonne, noch leuchtete der Mond, noch gab es das herrliche Meer.“

Einen weiteren Beleg finden wir in der Kirchengeschichte Adams von Bremen (IV, 39), der ebenfalls von dem leeren Abgrund der germanischen Urzeit berichtet („immane baratrum abyssi“), dessen Namen „Ginnungagap“ er aber falsch verstanden mit „Ghinmendegoþ“ wiedergibt.

Spätere indische Erläuterungen geben detailliertere Auskunft über diesen ursprünglichen Zustand: Die Urmaterie befindet sich im Zustand der „Weltenruhe“. Sie besteht aus drei Grundsubstanzen: „Sattva“ (leicht, Freude bewirkend), „Rajas“ (beweglich, Schmerz hervorrufend) und „Tamas“ (schwer, dunkel und hemmend). Diese drei Substanzen halten sich im Gleichgewicht, werden dann aber erschüttert, beginnen dadurch gegeneinander zu wirken und sich miteinander zu vermischen. Auf diese Weise entsteht zunächst feine, dann immer festere und grobere Materie, aus der nicht nur die Denktätigkeit der Lebewesen und Gottheiten, sondern auch die fünf Elemente (Wasser, Feuer, Erde, Luft und Äther) hervorgehen.

Nachdem der Beginn der Schöpfung dergestalt in Gang gekommen ist, entsteht aus der Erde ein Urwesen. In der Edda ist das Ymir, ein Urriese, der sich von der Milch einer Urkuh ernährt, die genauso in der indischen wie auch persischen Überlieferung auftaucht. Der Ahnvater allen Lebens trägt dort sogar denselben Namen: Yima. Tacitus berichtet uns bei den kontinentalen Germanen von dem „erdgeborenen“ Tuisto.

Nun ist die Bedeutung all dieser Namen genau dieselbe: Zwitter bzw. Zwilling. Nicht ohne Grund, denn er zeugt mit sich selbst ein weiteres männliches Wesen, bei den kontinenetalen Germanen Mannus, bei den Indern Manu, bei den indoeuropäischen Phrygiern in Anatolien Manus genannt. Von diesem Sohn des Urwesens stammen im Altnordischen sowohl die Riesen, wie später auch die drei Götter Odin, Vili und Vé ab, bei den kontinentalen Germanen die Stammväter der Ingväonen, Istväonen und Herminonen.

In der griechischen Version ist es der Riese Kronos, der mit dem Urwesen vergleichbar ist, denn auch er wurde von der Erde (Gaia) und dem Himmel (Uranos) gezeugt, zusammen mit dem weiteren Riesengeschlecht der Titanen. Kronos ist zwar kein Zwitter, wohl aber ein Zwilling, denn mit seiner Schwester Rhea zeugt auch er die drei ersten Götter Zeus, Poseidon und Hades. In der Edda erschaffen diese drei Götter das erste Menschenpaar aus zwei Bäumen, den Mann aus einer Esche, die Frau aus einer Ulme. Bei Hesiod findet sich ebenfalls der Rest des altgriechischen Mythos von der Erschaffung des ersten Menschen aus einer Esche.

Nun aber passiert Unerhörtes: Die erste Tat der Götter besteht darin, dass sie das riesige Urwesen, dem sie letztlich ihre Existenz verdanken, töten. Das aber ist kein hinterlistiger Meuchelmord aus niederen Motiven, sondern gerade aus der indischen Variante geht hervor, dass es sich um die erste heilige Opferhandlung handelt. Vor allem aber dient der Körper des Urwesens dazu, dass die Götter aus seinen Teilen die Welt formen, wie wir sie kennen.

Die isländische Edda berichtet:

„Sie nahmen den Ymir und schufen aus ihm die Erde: aus seinem Blute das Meer und die Seen. Das Festland machten sie aus seinem Fleisch, die Berge aber aus seinen Knochen, und Gestein und Geröll aus seinen Zähnen. Sie nahmen auch seinen Schädel und schufen den Himmel daraus und stülpten ihn mit allen vier Ecken über die Erde“.

Im indischen Rigveda liest sich das 2000 Jahre früher so:

„Der Mond wurde aus seinem Geist geschaffen, aus seinem Auge wurde die Sonne. Aus seinem Nabel wurde die Luft geschaffen, aus einem Kopf entstand der Himmel, aus seinen Füßen die Erde. So schufen die Götter die Welt.“

Im Indischen entstehen aus der Zerteilung des Urwesens auch die verschiedenen Menschen, das sind die drei indoeuropäischen „Kasten“, zusätzlich der für Indien charakteristischen vierten Kaste der Einheimischen. Das wiederum erinnert an die kontinentalgermanische Variante von der Herkunft der Ingväonen, Istväonen und Herminonen, obwohl es sich hierbei nach allgemeiner Anschauung nicht um Kasten, sondern um Kultgemeinschaften handelt.

Im Griechischen finden wir von diesem Motiv nur Anklänge. Dort ist es Kronos, der seinen Vater Uranos durch Kastration mit einer Sichel tötet. Dieses Detail scheint aber aus dem Kumarbi-Zyklus der hurritischen Mythologie übernommen worden zu sein. Im Persischen hat sich ebenfalls das Wissen erhalten, dass das Urwesen Gayomart (auch hier ist der Name Ymir noch gut zu erkennen) durch drei göttliche Brüder getötet wurde.

Die verblüffenden Übereinstimmungen all dieser Überlieferungen sind nicht nur in der reinen Abfolge zu sehen: „Urknall“ im namenlosen Nichts, Lebensfunken und erdgeborenes Urwesen, daraus Riesen, Götter, Menschen. Wie wir sehen, stimmen auch die einzelnen Details überein.

Deshalb sei hier noch auf eine seltsame Übereinstimmung dieser Vorstellungen mit denen im chinesischen Taoismus hingewiesen. Das Tao (Weltgesetz) ist der Urgrund (!) der Welt, aus dem alles entstanden ist. Vor dem Beginn der Weltentstehung wird ein Zustand des „Nichtseins“ vorausgesetzt. Aus diesem transzendenten „Urgrund“ geht das Sein hervor, d.h. der Zustand der All-Einheit, in welcher alle Unterschiede noch ungetrennt sind. Diese Einheit erzeugt die geschlechtliche Zweiheit von Yang und Yin. Aus dem Dualismus dieser zweigeschlechtlichen Urkraft entsteht der „Lebensatem“, der die Harmonie der beiden Kräfte bewirkt, die wiederum die fünf Elemente erzeugen (die identisch mit den oben erwähnten indischen sind). Die jetzt vorhandenen „Sieben“ bringen als weitere Faktoren Himmel und Erde hervor und haben sich damit zu einer „Neunheit“ entwickelt. Diese Neunheit ist insofern wieder eine Einheit, als sie zusammen den gesamten Kosmos bildet.

Wenn man die Enstehung des zweigeschlechtlichen Urriesen im indoeuropäischen Bereich bedenkt (Yin und Yang), sowie die Tatsache, dass auch die germanische Kosmologie aus neun Welten besteht, ist diese Übereinstimmung der Schöpfung so verblüffend, dass man sich fragen muss, ob hier nicht eine Verbindung besteht. Der Taoismus wird nun zwar nicht zu den indoeuropäischen Religionen gezählt, es ist aber mehr als wahrscheinlich, dass bei dessen Entstehung ca. im 5. Jahrhundert v.Chr. die zu diesem Zeitpunkt schon weitaus älteren vedischen Vorstellungen des eng benachbarten Indien bekannt gewesen sind, so dass hier eine Übernahme oder Beeinflussung keineswegs ausgeschlossen werden kann.

Die Vorstellung von dem äußeren Aufbau der Welt unterscheidet sich bei den Indo-Europäern allerdings kaum von dem aller anderen Völker, was daran liegt, dass diese Anordnung der Dinge dem Augenschein zu entsprechen scheint: die Erde wurde als vom Meer umgebene Scheibe gedacht. Darunter befinden sich Unter- und Jenseitswelten, darüber stockwerkartig die Welten der Götter und anderer himmlischer Wesen, woraus sich insgesamt das zwiebelschalenförmige Modell eines „Welteies“ ergibt. Allerdings gehen bereits die frühen indischen Texte wie selbstverständlich davon aus, dass es unzählige solcher bewohnten „Welteneier“ im Universum gibt. Eine erstaunliche Erkenntnis! Die Griechen wiederum waren die ersten, die die Kugelgestalt der Erde entdecken und bereits erste Versuche machten, ihren Umfang zu berechnen. Beide Fälle waren aber keine Vorwegnahme des Kopernikanischen Weltbildes, denn nach wie vor wurden Sonne, Mond und Sterne als um die Erde kreisend gedacht. Und bei dem indischen Beispiel hatte jedes dieser „Welteneier“ natürlich eine eigene Sonne und Sternenwelt, die sie schichtweise umgab, genau wie eine eigene Göttersphäre.

Das höchste Weltprinzip

Allen indeoeuropäischen Religionen ist der Glaube an ein höchstes Weltgesetz gemeinsam, das sich in dreifacher Form manifestiert:

  1. Als natürliche Ordnung der Dinge, die die Pflanzen wachsen lässt, die Jahreszeiten und das Wetter bewirkt, sowie die Himmelslichter in den zugewiesenen Bahnen hält.
  2. Als sittliche Ordnung, die allen Wesen ein ihnen gemäßes Verhalten und Einhaltung der Pflichten vorschreibt.
  3. Als magisch-rituelle Ordnung, welche die heiligen Handlungen und Opfer gebietet, die für den richtigen Verlauf des Lebens unerlässlich sind.

Dieses Urgesetz ist das letzte, nicht weiter zurückführbare Weltprinzip, das in und über allem waltet. Im Altindischen wird dieses Prinzip als Dharma (Gesetz) bezeichnet (in jüngeren – vor allem buddhistischen – Texten hat das Wort aber die Bedeutung „Lehre“ angenommen). Auch das chinesische Wort „Tao“ hat genau dieselbe Bedeutung. In den als „Brahmana“ bezeichneten priesterlichen Erläuterungstexten zu den Veden taucht dieses ewige All-Eine, das den Urgrund allen Seins bildet, unter dem ganz unpersönlich gedachten Begriff „Brahma“ auf, die heilige Macht, die dem Opfer seine wirkende Kraft verleiht, und die als innerster Kern alles Existierenden auch in allem verborgen ist. Da ein winziger Teil dieser Kraft auch in jedem Einzelwesen wirkt, denn alle Wesen sind mit diesem kosmischen Urgrund verbunden, bezeichnete man diesen Brahma-Funken in jedem Lebewesen als „Atman“. Und das Wort ist völlig mit unserem „Atmen“ verwandt. Die Wichtigkeit des Atems und seiner vielfältigen Techniken in den indischen Religionen ist ja bekannt. Im Altindischen hat das Wort dann auch die Bedeutung „Geist“ schlechthin angenommen (wie auch im Ehrentitel Gandhis „Mahatma“ = großer Geist). Dieses Konzept eines göttlichen Funkens in uns allen hat übrigens seine genaue Entsprechung in dem frühchristlichen Gnostizismus, der dann auch prompt als schlimme Ketzerei bekämpft wurde, da das Christentum diese Vorstellung ablehnt. Diesem Konzept liegt aber auch der indische und buddhistische Gedanke zugrunde, dass der Mensch aus eigener Kraft zur Erleuchtung und Selbsterlösung gelangen kann, was das Christentum ebenfalls strikt leugnet.

Auch die Ethik wird auf diese der Welt immanenten Ordnung gegründet. Selbst der große Philosoph Immanuel Kant kam übrigens ganz unabhängig davon im Europa des 18. Jahrhunderts zu einer identischen Überzeugung, nämlich dass die Erkenntnis dieser Wirkmächtigkeiten („der gestirnte Himmel über mir und das sittliche Gesetz in mir“) völlig ausreicht, um ein ethisch einwandfreies Leben führen zu können. Ein Gesetzestext, wie die Zehn Gebote des Alten Testaments, existiert in den indoeuropäischen Quellen nicht. Er wäre auch mehr als überflüssig, denn wer die in den Zehn Geboten aufgeführten Forderungen – von den ersten beiden (Eingottglaube und Sabbatheiligung) einmal abgesehen – nicht auch ohne ausdrücklichen göttlichen Erlass verinnerlicht hat, ist für das menschliche Zusammenleben absolut ungeeignet.

Der Begriff der „Sünde“ war den Indoeuropäern unbekannt. Natürlich entschied man auch hier sehr wohl nach guten und schlechten, ehrenhaften und unehrenhaften Taten. Im Gegensatz zur „Sünde“ aber (von der man sich durch Reue oder Beichte reinigen kann, bei der man sich auch immer mit den Versuchungskünsten des „Teufels“ herausreden kann), ist das bei unehrenhaftem Tun nicht ganz so einfach. Hier ist man absolut selbst für seine Taten und deren Wiedergutmachung verantwortlich. Keine Gottheit bietet hier „Vergebung“ an.

Entscheidend ist nun, dass auch die Götter diesem Gesetz unterworfen sind, denn die Götter der indeoeuropäischen Religionen sind weder allwissend noch allmächtig, und auch nicht unsterblich. Auch sie haben „menschliche“ Fehler und laden Schuld auf sich. Das finden wir bei den indischen Gottheiten genauso, wie bei den griechischen und germanischen. Sie haben die Welt ja auch nicht aus dem Nichts geschaffen, sondern entstanden erst danach und ordneten die Welt nur aus dem schon reichlich vorhandenen Baustoff des Urriesen und sonstiger Materie. Und natürlich verehren die altindischen Götter dieses höchste und weit über ihnen stehende Weltprinzip ebenfalls und opfern ihm auch.

Dieses Detail scheint auf den ersten Blick in den germanischen Quellen unbekannt zu sein, denn in der Sekundärliteratur wird auf diesen Aspekt nie eingegangen. Und doch gibt es drei bisher unbeachtete Stellen, die tatsächlich einen Hinweis darauf liefern könnten.

In der Völuspa wird berichtet, dass die Asen als eine ihrer ersten Taten „Heiligtum und Altar“ errichten. Aber für wen? Menschen, die hier die Asen verehren könnten, sind noch nicht erschaffen. Zudem wird das Heiligtum in Asgard, also dem Reich der Götter, errichtet. Dass die Götter sich hier in Zeremonien selbst verehren und Opfer bringen, kann man wohl ausschließen. Wenn diese Stelle nicht ein „geistiges Versehen“ des Dichters ist, was man in dem so ungemein kunstvoll komponierten Gedicht aber ausschließen kann, ist das tatsächlich ein Hinweis darauf, dass sich auch die germanischen Götter einer höheren Macht verpflichtet fühlten.

Die zweite Stelle befindet sich im Hyndla-Lied, wo direkt in der ersten Strophe ebenfalls auf ein ganz bestimmtes „Heiligtum“ in Asgard Bezug genommen wird. Hier ist der Zusammenhang der, dass Freyja die Riesin Hyndla zum Mitkommen nach Asgard bewegen will. Da Riesen dort aber nicht willkommen sind, erwähnt sie dieses Heiligtum als „sicheren“ Ort für die Riesin, denn wie auch in allen anderen Kulturen galten Heiligtümer als ein Ort der Zuflucht, vor dem der Arm des Gesetzes (hier die Furcht vor dem Riesentöter Thor) Halt machen musste, wie wir es auch heute noch vom christlichen Kirchenasyl her kennen.

Die dritte Stelle findet sich in Snorris Edda, und dort erfahren wir genau dasselbe. Zu Beginn des Textes wird als Motiv für die Reise König Gylfis zu den Göttern ausdrückliches folgendes genannt:

„Er [Gylfi] wunderte sich sehr darüber, dass die Asen so beschlagen waren. Er überlegte, ob das von ihrer eigenen Natur herrühre, oder ob ihre Götter daran schuld seien, denen sie opferten“.

Was in der Völuspa und dem Hyndla-Lied nur angedeutet ist, finden wir hier von Snorri unmissverständlich ausgesprochen. Und da diese identische Information aus drei sehr unterschiedlichen und nicht voneinander abhängigen Quellen kommt, darf man ihr folgenden allgemeinen Wert zubilligen: Es gab eine Macht über den Asen, denen auch sie opferten. Und wir finden im Altnordischen auch ein Wort, das bis ins letzte dem aus indischen Zusammenhängen bekannten Urgesetz entspricht: „Ørl?g“. Das wird zwar in vielen Texten als „Schicksal“ übersetzt, ganz wörtlich aber heißt es „Urgesetz“ (im althochdeutschen „urlag“). Auch die römisch-griechischen Götter kennen dieses obere Prinzip, das dort ebenfalls als „Schicksal“ (fatum) bezeichnet wird.

Trotz der inhaltlich ganz genauen Entsprechung des Wortes „Ørl?g“ ist dieses im Altnordischen aber mehr mit dem persönlichen Schicksal des einzelnen Menschen verbunden (und scheint sogar einige Parallelen zum Begriff des Karma aufzuweisen!). Für das über allem waltende Schicksal gab es aber noch weitere Begriffe.

Da ist zunächst das altnordische Wort „mj?tuðr“ (altsächsisch „metud“). Das ist mit unserem Wort „messen“ verwandt und bezeichnet die „zumessende“, also schicksalbestimmende Macht. Das Leben als Ganzes wird nicht als ein von den Göttern bestimmtes, sondern als von einer inneren Gesetzmäßigkeit gelenktes Los gedacht. Die germanische Vorstellung sah darin also eine gleichsam äußere wie innere Kraft, was sich durch die Verbindung dieser Kraft mit Bestandteilen der eigenen Seele ausdrückt. Begriffe wie „Ørl?g“, „hamingja“ und „fylgja“, die sowohl Teile des eigenen Selbst, aber gleichzeitig davon losgelöste Bestandteile sind, geben davon Zeugnis. Die außerordentlich komplizierte Seelenvorstellung der germanischen Religion, mit denen diese Begriffe zusammenhängen, ist allerdings ein Kapitel für sich, worauf in einem anderen Beitrag gesondert eingegangen werden wird.

Ein weiterer Begriff dieser Schicksalsmacht war „urðr“, althochdeutsch „wurt“, welches wörtlich unserem Begriff „das Gewordene“ entspricht. Dass es solch verschiedene Begriffe für dieses Konzept gibt, legt nahe, dass die Vorstellungen davon sehr viel differenzierter und vielschichtiger gewesen sind, als es uns heute aus den spärlichen Quellen noch ersichtlich werden kann.

Natürlich hat es immer wieder verständliche Versuche gegeben, dieses Prinzip auch mit einer personellen Vorstellung zu verbinden. So entstand die Vorstellung der Schicksalsfrauen, die meist als Dreiheit auftreten: bei den Griechen waren das die Moiren, bei den Römern die Parzen und bei den Germanen die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld. Diese drei Nornen sitzen unter dem Weltenbaum an einer heiligen Quelle und bestimmen von dort das Schicksal. Sie sind wesentlich älter, als die Götter. In der Völuspa werden sie als Töchter der Riesen geschildert (wenn diese Interpretation der drei Riesentöchter als Nornen in Vsp. 8 denn richtig ist!), allerdings genauso bei den Griechen, wo sie Töchter der Nacht sind und ebenfalls den Riesen (Titanen) zugerechnet werden. Gegen die Entscheidungen der Schicksalsfrauen sind auch die Götter machtlos, die Götter sind ihnen sogar genauso unterworfen, wie die Menschen. Selbst Zeus kann lediglich am Ausschlag seiner goldenen Waage erkennen, dass sich das Schicksal seiner Lieblinge (Herakles, Hektor) dem Dunkel zuneigt, so wie auch Odin den Tod seines Lieblingssohnes Baldr zwar voraussehen, aber trotz aller Versuche nicht verhindern kann.

Bei den Germanen scheint die Vorstellung dieser Schicksalsfrauen allerdings eine Vermengung ursprünglich anderer Vorstellungen zu sein. Denn die Nornen galten gleichzeitig als Geburtshelferinnen und erscheinen nicht immer in Form dreier Frauen. Sie waren bei der Geburt jedes Kindes anwesend und bestimmten ihm Gutes wie Böses. In dieser Form treten sie noch gut erkennbar zu Beginn des Märchens von Dornröschen auf. Ihre Funktion überschneidet sich außerdem teilweise mit der der Walküren, die ja auch über Leben und Tod entscheiden, und der Nornenname Skuld ist auch als Walkürenname belegt. Weiterhin dürfte es eine Verwandtschaft zu den aus dem keltisch-germanischen Grenzgebiet bekannten Matronen geben, die ja auch stets in Form einer Dreiheit verehrt wurden. Auch die Disen (dísir), im Altnordischen ein nicht ganz klarer Begriff für weibliche Schutz- und/oder Fruchtbarkeitsgottheiten, dürften dieser Kategorie von Wesenheiten angehört haben.

Die altnordischen Disen (und deutschen Idisen, wie sie noch im Ersten Merseburger Zauberspruch auftreten) haben übrigens ihre genaue sprachliche und inhaltliche Entsprechung in den indischen „Dhisanas“, die uns nicht nur ebenfalls als „Reichtum erzeugend, Gaben und Güter verteilend, beglückend“, beschrieben werden, sondern genau wie die Matronen auch in Form einer weiblichen Dreiheit verehrt werden.

Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema: Wenn man dieses besagte Urgesetz, den Urgrund aller Dinge, nun personifiziert, wie es zeitweise auch in der indischen Tradition ansatzweise passiert ist (nämlich dadurch, dass das unpersönliche Brahma-Prinzip zu einem Gott wurde, aber auch in der Gestalt Vishnus), ist man gar nicht mehr so weit von der Gottesvorstellung entfernt, wie sie von Christentum, Judentum und Islam vetreten wird.

Es ist nämlich ein grundlegender Irrtum, der bis heute von christlicher Seite besteht, die Wesensart der indoeuropäischen Götter mit der ihres einzigen Gottes gleichzusetzen und darin einen unauflöslichen Gegensatz zwischen Monotheismus (Eingottglaube) und Polytheismus (Vielgottglaube) zu sehen. Schließlich haben auch die Christen, Juden und Muslime genaue Entsprechungen zu den indoeuropäischen Göttern: die große Zahl von Engeln, Erzengeln und anderen himmlischen Heerscharen mit genauer Abstufung ihrer Kompetenzen. In älterer christlicher Zeit war diese „Angelogie“ sogar eine ganz eigene theologische Spezialdisziplin. Im Katholizismus kommt noch die gewichtige Schar der Schutzheiligen hinzu. Und deren Funktionen entsprechen auch sehr viel mehr z.B. denen der indischen bzw. germanischen Gottheiten. Das Fehlen dieser simplen Erkenntnis hat dem Dialog der Religionen oft völlig unnötige Grenzen vorgeschoben, die allerdings stets von Seiten der monotheistischen Religionen aufgebaut wurden. Natürlich ebnet diese Erkenntnis keineswegs die weiteren (sehr erheblichen) Unterschiede ein, aber sie hätte zumindest die grundsätzliche Verständigung etwas erleichtert.

Dennoch gibt es auch bei der Erkenntnis dieser Zusammenhänge einen unüberbrückbaren Gegensatz. Das indoeuropäische „Urgesetz“ ähnelt eher einem unveränderlichen Naturgesetz. Sein Wirken ist unabhängig davon, ob man daran glaubt oder nicht, genauso, wie es z.B. der Schwerkraft völlig egal ist, ob man an sie glaubt (deren Wirken bekommen „Ungläubige“ genauso zu spüren, nur meistens etwas schmerzhafter). Im Gegensatz dazu muss die Vorstellung von nur einem einzigen und allmächtigen Gott zu dem Glauben führen, dass jede natürliche Ordnung der Dinge gerade durch die Allmacht dieses Gottes jederzeit wieder durchbrochen und rückgängig gemacht werden kann (oder wenigstens könnte).

Das Problem dabei ist, dass zwischen dem monotheistischen Gott auf der einen Seite und seiner Schöpfung (= Welt, Pflanzen, Tiere, Menschen) auf der anderen Seite eine unüberbrückbare Kluft besteht. Gott und Schöpfung sind von unvereinbarer Unterschiedlichkeit, was in den indoeuropäischen Religionen gerade nicht der Fall ist. Dort sind Menschen, Tiere, Gottheiten, ewiges Weltgesetz und Schöpfung untrennbar miteinander verbunden, da ja auch die Gottheiten selbst Teil der Schöpfung sind. Fairerweise muss man aber zugeben, dass heute auch die meisten Christen Probleme mit der Ferne dieser biblischen Gottesvorstellung haben und viele sich in einem Prozess ökologischer Bewusstseinswerdung und Einsicht dem „heidnischen“ Gottesverständnis annähern, ohne dass ihnen aber bewusst würde, wie radikal sie sich dabei von den Grundlagen des christlichen (und hier vor allem evangelischen) Gottesbildes entfernen.

Die monotheistische Doktrin, dass Gott gleichermaßen allmächtig, wie auch die Verkörperung reinster Liebe ist, hat denn auch zu dem Grundproblem der Christen schlechthin geführt: Wie ist es nämlich dann zu erklären, dass diese Welt so unvollkommen ist? Warum gibt es so viel Leid und Unglück, das vorzugsweise über „Unschuldige“ hereinbricht, wenn dieser allmächtige und liebevolle Gott doch mit einem winzigen Willensakt das Paradies auf Erden verwirklichen könnte?

Auf die Beantwortung dieser Frage (die man mit dem Fachbegriff „Theodizee-Problem“ bezeichnet) ist von christlicher Seite seit nun fast 2000 Jahren großer Scharfsinn verwandt worden, ohne dass man eine befriedigende Antwort gefunden hätte. Schon daraus wird deutlich, dass die Gottesvorstellung christlicher Prägung in sich unstimmig ist und nicht befriedigen kann. Ein scheinbar genialer Schachzug bestand darin, dass man zur Erklärung dieses Problems den Teufel als Verkörperung des „Bösen“ schlechthin erfand. Dieser heute nur noch bei christlichen Fundamentalisten populäre Kinderschreck löst das Problem aber auch nicht, da er Gott ja unterlegen ist. Auch alle anderen Erklärungsversuche laufen ins Leere und beschränken sich letztlich auf die resignierende Feststellung, dass Gottes Wege unergründlich seien.

Nun gibt es natürlich auch in den indoeuropäischen Religionen Kräfte, die den Göttern feindlich gegenüberstehen. Im Indischen gibt es unzählige Dämonen, mit denen die Götter in ständigem Kampf liegen, und auch in der germanischen und griechischen Religion gibt es die Riesen, auch sie auf gewisse Art Gegner der Götter. Diese Riesen aber haben wenig gemeinsam mit jenen dummen und tolpatschigen Gestalten, wie wir sie aus den Volksmärchen kennen. Die Riesen der Edda sind im Gegenteil äußerst schillernde Gestalten, uralt und mächtig, sehr zauberkundig und von großem Wissen. Die Götter stammen ja überhaupt erst von ihnen ab, und später finden wir sogar Ehen zwischen Göttern und Riesinnen.

Die Gefährlichkeit, die diesen Riesen eigen ist und gegen die Thor fortgesetzt kämpft, liegt eben nun gerade nicht darin, dass sie das Prinzip des „Bösen“ verkörpern, wie der christliche Teufel. Sie sind vielmehr ein gelungenes Bild für die gefährliche Seite der Natur. Auch im modernen Sinn sehen wir jene Seite der Natur, wie sie durch Flut- und Wetterkatastrophen, Erdbeben, Vulkanausbrüche usw. repräsentiert wird, zwar als gefährlich, aber nicht als „böse“, sondern eben auch als „natürlich“ an. Einen heutigen Naturbegriff, der sich ausschließlich auf die schöne, romantische, harmonische und idyllische Seite der Natur beschränkt, kannte man früher nicht. Es gibt im Germanischen auch kein Wort, das unserem Begriff „Natur“ entsprechen würde, denn allein diese Wortbildung würde eine grundsätzliche Abgrenzung des Menschen von der Natur bedeuten, ein Konzept, das sich erst in der Neuzeit entwickeln konnte. Insofern ist auch die oft zu findende pauschale Behauptung, die Germanen hätten „die Natur verehrt“, historisch gesehen Unsinn oder zumindest grob missverständlich. Natürlich sah man in einzelnen Manifestationen der Natur auch das Göttliche, eine allgemeine Verehrung der Natur als solche aber ist schon deshalb undenkbar, weil die Natur gerade früher höchst lebensbedrohlich für die Menschen war. Jeder Winter war eine Sache auf Leben und Tod, jede Wetterkatastrophe und Überschwemmung bedeutete wegen der daraus folgenden Missernte das sichere Todesurteil für viele Menschen. Jeder Gang in den Wald konnte in einer tödlichen Begegnung mit damals noch existierenden Tierarten enden (Bär, Wolf, Wisent, Auerochse).

Entscheidend aber ist nun, dass das Leid in der Welt – und dabei vor allem das durch Menschen verursachte – in den indoeuropäischen Religionen keiner Erklärung durch göttliche Mächte bedarf. In einer erstaunlich modernen Weise ist dort die Tatsache menschlicher Unzulänglichkeiten wie Habgier, Neid, Dummheit und Kleingeistigkeit als Erklärung völlig ausreichend. Man muss die Schuld nicht auf die Götter oder auf einen Teufel schieben. Insofern ist auch die in christlichem Zusammenhang oft gestellte Frage, warum z.B ein Unglück ausgerechnet einen Menschen trifft, der es unserer Meinung nach nicht „verdient“ hat, während ein anderer, der es „verdient“ hätte, ungeschoren davonkommt, sehr viel weniger relevant. Sie stellt sich im Grunde gar nicht. Der griechische Dichter Aischylos hat die Essenz der menschlichen Existenz in der Erkenntnis zusammengefasst: „Wer handelt, der leidet“.

Zu einem Problem konnte diese Frage allerdings erst in einer modernen Gesellschaft werden, die den Tod aus ihrem Bewusstsein verdrängt hat, was Hand in Hand mit einer schleichenden „Entreligionisierung“ einherging, die z.B. in Frankreich schon Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzte. Die sehr pointierte Formulierung „Alle wollen in den Himmel, aber niemand will sterben“, ist nicht wirklich auf das Christentum zu beziehen, sondern nur auf seine spießbürgerliche Fratze der Neuzeit, die sich oft genug auf reine Fassade beschränkt. Dass der Tod lediglich das Tor zu einer anderen, neuen und interessanten Welt war, daran „glaubte“ man früher nicht, sondern das wusste man. Bezeichnend ist ja auch, dass man heute bei der Geburt eines Kindes nicht die geringsten Gedanken darauf verschwendet, woher dessen Seele denn kommt, während man sich in furchtsamer Spekulation (oder meistens Verdrängung) darüber ergeht, wo die Seele nach dem Leben wieder hingeht.

Natürlich finden wir auch in der altnordischen Literatur Beispiele dafür, dass Menschen auf Grund von schlimmen Schicksalsschlägen mit den Göttern hadern, ja sogar vom Glauben abfallen. Das ist nur allzu menschlich. Und auch hier findet sich die Erklärung, dass uns die langfristigen Pläne der Götter verhüllt bleiben. Nur hat von diesen Göttern ja auch niemals jemand behauptet, sie seien allmächtig, fehlerfrei und bestünden aus reiner Liebe den Menschen gegenüber. Und erst recht geht nicht „jedes Blatt, das vom Baume fällt“ auf einen direkten Willensakt der Götter zurück, so wie es in der Bibel von Jahwe, dem christlichen Gott, gesagt werden muss, weil neben ihm ja keine anderen Kräfte existieren dürfen. Bei aller Erhabenheit, die das christliche Gotteskonzept natürlich auch hat, stellt es in Hinsicht auf Welterklärungsmöglichkeiten aber eine Verarmung dar, die in scharfem Gegensatz zu den alten vorchristlichen Konzepten steht. Die nämlich sind gerade vor dem heutigen Hintergrund einer modernen, pluralistischen Gesellschaft und Weltentwicklung sehr viel überzeugender und stimmiger.

Der Weltenbaum

Ein weiteres und sehr schönes kosmologisches Bild ist ebenfalls weit außerhalb des germanischen Kulturraumes nachweisbar, das Bild des gewaltigen Weltenbaumes, der die gesamte Schöpfung durchzieht, die verschiedenen Welten der Gottheiten, Menschen und anderer Wesenheiten miteinander verbindet und Stütze und zentrale Achse der Welt ist. In den altnordischen Quellen wird er gemeinhin Yggdrasill genannt, er scheint aber auch andere Namen gehabt zu haben (Læráðr, Hoddmímir). Am Fuß des Baumes findet sich der Schicksalsbrunnen (und weitere Quellen mythologischer Flüsse und Gewässer).

Dort sitzen und wirken auch die Nornen. Von dem Baum tröpfelt konstant eine lebensspendende Flüssigkeit herab, und auch einige mythologische Tiere sind mit dem Baum verbunden. In dem Astwerk leben vier Hirsche, an der Spitze sitzt ein Adler, der wiederum einen Habicht trägt, und an den Wurzeln nagen verschiedene Schlangen, unter ihnen auch der Drache Niðh?ggr, den wir aus der Völuspa kennen. Das Eichhörnchen Ratat?skr („Rattenzahn“) läuft als kleiner Intrigant den Stamm hinauf und hinab und stiftet Unfrieden zwischen dem Adler und dem Drachen, indem es jedem von beiden Unwahrheiten über den anderen erzählt.

Auch im Iranischen und Indischen haben wir den Weltenbaum. Im Iranischen wird er „Baum des Adlers“ genannt, weil in seiner Krone der Sonnenvogel sitzt. Zu seinen Füßen entspringt die Wunderquelle Ardwi Sura. Die Hirsche gehören dort ebenfalls zu dem Bild, wie uns aus iranischen Bilddarstellungen bekannt ist.

Die indischen Quellen geben uns auch besseren Aufschluss über die Art der lebensspendenden Flüssigkeit, die von dem Baum tropft. Man ahnt es schon: es handelt sich um „madhu“, das indische Wort für Met, der ja als kultischer Rauschtrank auch beim Opfer eine besondere Bedeutung hatte. Andere indische Quellen bezeichnen den Baum als „somaträufelnd“ („somasavana“). Soma war die heiligste Kultdroge der altindischen Quellen, und wir wissen bis heute nicht genau, woraus sie bestanden hat.

Bei den Griechen war der Weltenbaum unter dem Namen „Baum der Hesperiden“ bekannt. Auch zu seinen Füßen finden wir das lebensspendende Wasser, und um seinen unteren Stamm ringelt sich eine Schlange. Der Baum wird im Griechischen auch „Spindel der Notwendigkeit“ genannt, denn an seinem Fuße sitzen ebenfalls die drei Moiren und spinnen das Geflecht des Schicksals. Sogar das Eichhörnchen scheint auch hier dazuzugehören, denn sowohl griechische wie auch indische Traditionen kennen den Streit zwischen dem Adler in der Spitze des Baumes und der Schlange an seinem Fuß. Noch in der Spätantike findet sich der Nachhall dieser alten Vorstellung in einer Fabel des Phaedrus, wo es eine Katze ist, die zwischen Adler und Wildschwein Feindschaft stiftet, die auf demselben Baum wohnen.

Die altnordische Bezeichnung Yggdrasill für den Weltenbaum hat einige Rätsel aufgeworfen. Wörtlich übersetzt heißt das „Pferd des Ygg(r)“, wobei Yggr (der Schreckliche) ein belegter Beiname Odins ist. Dafür müsste man aber die nicht belegte Urform „Yggsdrasill“ annehmen. Erklärt wurde diese Bedeutung mit dem Selbstopfer Odins, bei dem er „neun Tage am Baum hing“. Der Baum hätte dann deshalb die bildhafte Umschreibung „Pferd“, weil auch der Galgen als „Pferd des Gehängten“ bezeichnet wurde. Nun gibt es allerdings auch noch die Form „askr Yggdrasills“ was wörtlich „Esche des Pferdes von Ygg“ bedeuten würde.

Ein wenig Licht auf dieses Rätsel könnte der indische Name des Weltenbaums werfen, der „asvatta“ (Pferdestätte) lautet. Dort finden wir nämlich die Vorstellung, dass an den obersten Teil des Weltenbaums die Sterne genauso angebunden sind, „wie Rosse an einen Pfahl“. Eine sehr poetische Vorstellung. Und deshalb kreisen die Sterne auch um seine Spitze (den Polarstern). Wenn wir diese Vorstellung auch für die germanische Welt für möglich halten, wogegen nichts spricht, wäre das eine bessere Ursprungserklärung für den Namen des Baumes, als es der Hinweis auf das Selbstopfer Odins wäre.

Ob es sich in allgemein-germanischer Vorstellung bei dem Baum tatsächlich um eine Esche handelte, ist eher fraglich. Diese Bezeichnung taucht nur in isländischen Quellen auf. Isländische Texte sind aber bis in jüngere Zeit dafür bekannt, dass Baumnamen dort häufig verwechselt werden, was ganz einfach daran liegt, dass es auf Island kaum Bäume gibt, wodurch sich das genaue Wissen um Baumarten dort teilweise verloren hatte. Die Bezeichnung „immergrün“, sowie die Beschreibung des heiligen Kultbaumes bei dem Tempel von Uppsala als Nadelbaum, hat etliche Forscher zu der Annahme gebracht, dass man sich den Weltenbaum ursprünglich als Eibe gedacht hat, deren kultische Bedeutung auch in vielen anderen Zusammenhängen belegt ist. Auch den Namen Yggdrasill hat man aus den ur-indoeuropäischen Wörtern *igwja (Eibe) und *dher- (stützen) als „Eibensäule“ zu deuten versucht.

Die Gottheiten

So wie das maßgebliche Göttergeschlecht der Germanen Aesir (Asen) genannt wurde, hat das Sanskrit für göttliche Wesenheiten schlechthin die Sammelbezeichnung Asura. Auch hier haben wir also noch genau dasselbe Wort.

Unter den Gottheiten selbst haben wir nun die augenfälligste Übereinstimmung zwischen dem in den indischen Veden maßgeblichen Gott Indra und dem skandinavischen Thor. Die Parallelen erstrecken sich bis in die kleinsten Details: Beide sind von riesenhafter Stärke, und ihre wichtigste Tätigkeit ist der Schutz und die Verteidigung der Welt gegen Trolle, Dämonen und Ungeheuer. Beider Hauptfeind ist eine drachenartige Schlange (bei Indra Vritra, bei Thor die Midgardschlange), beide Monstren sind an das Element Wasser gebunden. Beide Götter sind außerordentlich beachtliche Esser und Trinker, beide sind Wagenfahrer, sie tragen einen roten Bart, den sie schütteln, wenn sie in Zorn geraten, und sie befinden sich in ausgesprochenem Gegensatz zu den göttlichen Vertretern der geistigen Fähigkeiten und des Zaubers (in der Edda Odin, im Veda Varuna). Beide kämpfen mit einer Blitzwaffe, die von zauberkundigen Wesen geschmiedet wurde, und die nach Gebrauch in die Hände des Werfers zurückkehrt (genauso wie der Wurfstein des irischen Gottes Dagda). Natürlich ist auch der griechische Blitzeschleuderer Zeus niemand anderes, als eben genau derselbe Gott.

Der andere germanische Hochgott Wodan/Odin hat eine recht wechselvolle innergermanische Geschichte durchlaufen, deshalb ist eine klare Parallele mit den indischen Quellen nicht ganz so einfach herzustellen, sie verteilt sich dort nämlich auf zwei Götter.

Was die Äußerlichkeiten angeht, hat er seine beste Entsprechung in dem indischen Gott Rudra. Dessen Name bedeutet „der Schreckliche, Furchtbare“, und genau diese Bedeutung hat auch Odins Beiname „Yggr“. Sie teilen einen weiteren Beinamen, den des „Lärmers“ („Ómi“ bei Odin, „uccairghosa“ bei Rudra). Beide lieben es, ihre Gestalt zu wechseln, und wie Odin hat auch Rudra nur ein Auge. Während Odin dies durch einen tief herabgezogenen Schlapphut verbirgt, trägt Rudra eine tief in die Stirn herabreichende Binde. Rudra wird als „kavi“ bezeichnet, d.h. jemand, der das geheime Zauberwissen besitzt, was auch die wohl maßgeblichste Eigenheit Odins ist. Beider Attribut ist der Speer, der bei Rudra allerdings drei Spitzen hat. Weiterhin ist Rudra Gottheit des „vrata“, des durch ein Gelübde auf diesen Gott eingeschworenen menschlichen Kriegerbundes. Der hat im Indischen sein Gegenstück in den himmlischen „vratas“, die Rudra in seinen mythologischen Kämpfen zur Seite stehen. Das ist eine weitere und ganz auffällige Übereinstimmung mit Wodan/Odin, der ebenfalls Herr der irdischen Kriegerbünde, sowie der himmlischen „einherjar“ in Valhall ist.

Der zweite indische Gott, mit dem Odin verglichen werden kann, ist Varuna. Der bildet in Indien zusammen mit Mithra ein Herrscherpaar, wobei der eine die weltlich-rechtliche, der andere die magisch-sakrale Seite des Königtums repräsentiert. Dem Mithra würde bei den Germanen dann Tyr/Teiwaz entsprechen, dessen Rolle aber in der altnordischen Literatur schon sehr verblasst ist. Denn zur Zeit der altisländischen Quellen ist Odin unangefochtener Götterkönig.

Nun haben wir in den skandinavischen Quellen aber zwei sehr seltsame und schon damals wohl nicht mehr richtig verstandene Mythenfragmente, in denen es um eine zeitweilige Abwesenheit Odins geht. Die Umstände sind recht turbulent, aber der Kern der Geschichte ist, dass Odin seine Stellung auf bestimmte Zeit einem gewissen Mithotyn überlassen muss, der uns schon vom Namen her auffällig an den indischen Mithra erinnert. In der zweiten Version wird er von einem Ollerus vertreten, hinter dem man wohl Ullr vermuten darf. Es könnte sein, dass hier eine uralte Erinnerung an das zweigeteilte Herrscheramt durchschimmert, vor allem, da ja auch in Ullr eine früher weitaus prominentere Himmelsgottheit vermutet wird.

In allen indoeuropäischen Kulturen hat der Name des alten und ursprünglichen Himmelsgottes überlebt. Der muss ursprünglich ungefähr „Dyaus“ gelautet haben, was einfach nur „Himmel“ bedeutet hat. Daraus aber wurde schnell der „Dyaus pitar“ der „Himmelsvater“. Dieses Wort hat sich zu folgenden Varianten gewandelt: im Griechischen zu „Zeus pitar“ (Vater Zeus), im Römischen zu „Dispiter“ (daraus später: „Iuppiter“), im Germanischen zu „Teiwaz“, im Baltischen zu „Dievs“ und im Indischen zu „Deva“. Interessant ist, dass schon früh damit nicht mehr nur ein bestimmter Gott verbunden war, sondern dass das Wort zu einem allgemeinen Begriff für „Gott/Götter“ schlechthin wurde, so im lateinischen „deus“, im griechischen „theos“, im baltischen „dievs“, im indischen „deva“ und im altnordischen „tiv“ (Plural: „tivar“), wobei der eigentliche Gott Teiwaz parallel dazu als Tyr weiterexistierte. Und heute ist es so, dass der Name des uralten indoeuropäischen Himmelsgottes im Baltischen als „Dievs“, im Französischen als „Dieu“ und im italienischen und spanischen „Dio“ auf eine sehr viel jüngere Gottheit übertragen worden ist, deren eigentlicher Eigenname „Jahwe“ lautet.

Der Konflikt zwischen Asen und Wanen

In den germanischen Quellen taucht außer den Asen noch ein weiteres Göttergeschlecht auf, von dem völlig unklar bleibt, woher es stammt: die Wanen. Nach Ordnung der Welt durch die Asengötter kommt es zu einem Konflikt dieser beiden Götterfamilien, der in einen Krieg mündet, durch den die Asen zu anschließendem Friedensschluss und Verbrüderung gezwungen werden. Die Hinweise darauf sind in den Quellen aber so vage und lückenhaft, dass man aus den Hintergründen nicht recht klug wird.

Lange glaubte man, darin die historische Erinnerung an den Aufeinanderprall der eindringenden Indo-Europäer und den einheimischen Ackerbaugesellschaften Norddeutschlands zu sehen, wo eben auch zwei unterschiedliche Religionen und somit Gottheiten aufeinandertrafen, die bäuerlich-bodenständige Familie der wanischen Fruchtbarkeitsgötter und die eher kriegerische Familie der Asen, die dann zu einer neuen Gesellschaft und Religion verschmolzen sind.

Diese Erklärung ist faszinierend und auch heute noch in vielen Büchern zu lesen. Aber sie ist deshalb problematisch, weil die Spuren dieses Konfliktes nicht nur in den germanischen, sondern auch in den indischen und römischen Quellen auftauchen. Wenn die Interpretation dieser parallelen Quellen richtig ist, kann es sich also nicht um die Erinnerung an historische Vorgänge handeln, die in Nordeuropa stattgefunden haben.

In den Quellen der Edda präsentiert sich der Mythos so, dass die Wanen eine Frau zu den Asen schicken, Gullveig, die man als Verkörperung der Goldsucht ansehen darf. Als Odin die Gefahr bemerkt, versucht er sie zu töten, sie aber kehrt stets wieder zum Leben zurück und treibt es unter dem Namen Heid noch ärger. Wegen der versuchten Tötung Gullveigs durch die Asen verlangen die Wanen aber eine Entschädigung, es kommt zur kriegerischen Konfontation, bei dem sich die Wanen als stärkere Partei erweisen und die Asen zu einem Friedensschluss gezwungen werden, so dass Schlimmeres verhütet wird. Die Wanen werden als gleichberechtigte Gottheiten aufgenommen, während Götter der jeweils einen Gruppe in die andere überwechseln.

Diese Erzählung hat nun eine sehr augenfällige Parallele zu dem römischen Mythos vom Raub der Sabinerinnen. Auch dort ist ein Krieg die Vorbedingung dazu, dass Römer und Sabiner einen staatlichen Zusammenschluss bilden. Auch dort wird im letzten Moment vermittelt, so dass der eigentlich drohende Krieg abgewendet wird. Lange hat man diese Erzählung für eine rein historische Erinnerung gehalten, erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts dämmerte dem französischen Indogermanisten George Dumézil die Erkenntnis, dass es sich hierbei um einen Mythos handelt, eine Erkenntnis, die heute weitgehend akzeptiert ist.

In der indischen Variante sind es die Asvins (auch Nasatyas genannt), Fruchtbarkeitsgottheiten, die erst zu dem Somagelage der Götter zugelassen wurden, nachdem Indra sich gegen seinen Willen dazu gezwungen sieht. Die Übereinstimmungen gehen soweit, dass auch in den letztgenannten Varianten eine Art von Gullveig-Gestalt auftritt: bei den Römern die vom Sabinergold geblendete Vestalin Tarpeia und in Indien Mada, die die Macht der Trunkenheit symbolisiert.

Wie ist dieser Götterkonflikt nun religionshistorisch einzuschätzen? Der Mythos ist zu lückenhaft, um endgültige Klarheit zu gewinnen. Es spricht insgesamt aber mehr dafür, dass hier das Schichtenmodell der indo-europäischen Gesellschaft selbst Pate gestanden hat und nicht die Verschmelzung der Indo-Europäer mit einer gänzlich anderen Kultur. Es ist nämlich bezeichnend, dass in allen Varianten nicht die Darstellung des Krieges die Hauptsache ist, sondern ganz im Gegenteil der Friedensschluss. Der mythische Krieg, der ja gar nicht erst wirklich ausbricht, ist nur eine erzählerisch nötige Vorbedingung des Vertrages, auf dem die Gesellschaftsform selbst beruht. In diesem Fall wäre der Mythos sehr viel älter, als man bisher anzunehmen wagte. Auch in historischer skandinavischer Zeit schimmert noch die grundsätzlich unterschiedliche Verehrung der beiden Götterfamilien in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen durch. Und es mag schon immer so gewesen sein, dass es die Bauern eher zu den Vanen, Krieger und Adel eher zu den Asen hingezogen hat. Bindeglieder und Mischformen aber waren stets möglich, wie gerade die starke Stellung Thors als typischer Bauerngott zeigt.

Die indischen Asvins sollen hier aber noch etwas näher beleuchtet werden, da sie uns möglicherweise bei einigen Rätseln der germanischen Religion weiterhelfen können. Die Asvins werden als Zwillinge gedacht, und ihr Name bedeutet „Pferdeleute“. Ihre Funktionen sind mannigfaltig, aber sie sind in erster Linie friedfertige Schutzgottheiten. Sie heilen Krankheiten und stehen für die ewige Jugend. Sie werden bei der Hochzeit angerufen, um der Braut Fruchtbarkeit zu verleihen. Diese Fruchtbarkeitseigenschaften haben sie im Indischen sehr mit den Elementen der Natur verschmelzen lassen. Als ihr Aufenthaltsort werden abwechselnd Erde, Wasser, Luft oder das „Himmelsmeer“ genannt. Sie sind die Kinder des Himmels(gottes) und sind beide mit einer gemeinsamen Frau verheiratet, der Tochter der Sonne, die gleichzeitig ihre Schwester ist. Wir sehen nun, wie auffällig diese Asvins den germanischen Wanen entsprechen. Nicht nur in ihren unkriegerischen Schutzfunktionen, sondern auch in dem Detail der Geschwisterehe, was ebenfalls den germanischen Wanen nachgesagt wird.

Dasselbe Motiv finden wir in der baltischen Mythologie, wo die „Dieva deli“, die beiden Himmelssöhne, mit einer „Saules meita“ (Sonnenmädchen) verheiratet waren, die ebenfalls ihre Schwester gewesen sein muss, da der Himmelsgott Dievs die Sonne („Saule“) zur Frau hatte.

Dieses göttliche Zwillingspaar taucht in den indeuropäischen Mythen wiederholt auf, meistens mit einer weiblichen Gestalt verbunden und mit ganz deutlichen Hinweisen auf ihr pferdegestaltiges Wesen. Im Griechischen sind das die sogenannten Dioskuren („Zeussöhne“) Kastor und Polydeukes (römisch: Castor und Pollux), die ebenfalls eng mit ihrer Schwester Helena verbunden sind. Zumindest Kastor hat ebenfalls eine Beziehung zum Pferd, denn er gilt vor allem als geschickter Rossbändiger. Andere Hinweise aber deuten darauf hin, dass man sich auch die griechischen Dioskuren insgesamt als pferdegestaltig vorstellte.

Nun aber zur möglichen Verbindung der indischen „Pferdezwillinge“ mit der germanischen Religion. Tacitus berichtet uns:

„Bei den Naharnavalen wird der Hain eines alten Kultes gezeigt. Den Vorsitz hat ein Priester in Frauenkleidung. Die Götter nennt man nach römischer Ausdrucksweise Castor und Pollux, denn sie sind diesen Alcis genannten Göttern an Macht gleich. Sie haben keine Götterbilder und nichts deutet auf den Einfluss fremder Religionen, dennoch werden sie als Brüder, als Jünglinge verehrt“ (Germania 43,3).

Der Name „Alcis“ ist nicht ganz sicher geklärt. Er kann im Germanischen (*Alhiz) einerseits einfach „Schutzgötter“ bedeuten, er kann aber auch mit dem durch Caesar überlieferten Wort „alsces“ (Elche) zusammenhängen, wodurch dann die Interpretation als pferdegestaltiges Brüderpaar naheliegt, zumal sich aus völkerwanderungszeitlichen Bilddarstellungen dieses pferdegestaltige Dioskurenmotiv bei den Germanen sicher nachweisen lässt. Die seltsame Nachricht eines Priesters in „Frauenkleidung“ hat nun deutliche Parallelen zu den vagen Hinweisen, die wir über die tatsächliche Wanenverehrung noch aus skandinavischer Zeit haben. Auch dort gibt es verstreute Hinweise auf „weibisches“ Gebaren der Wanenverehrer. Es ist also gut möglich, dass wir in den Alcis eine frühe Ausprägung des Wanenkultes haben. Ob die noch mit einer ihnen anverheirateten Schwester verbunden waren, weiß Tacitus uns nicht zu berichten. Die aus späterer altnordischer Zeit belegte wanische Geschwisterehe von Freyja und Freyr aber lässt diese Vermutung sehr wohl zu.

Das bringt uns letztlich zu dem Punkt des angeblichen Doppelkönigtums, das uns in den Abstammungsmythen der völkerwanderungszeitlichen Germanen selbst belegt ist. Dabei handelt es sich in allen Fällen um angeblich ursprüngliche Könige, die aber erst in späterer Überlieferung genannt werden. Das finden wir z.B. bei den Vandalen, am markantesten aber bei den Angeln, deren Anführer bei der Übersiedlung nach England ein Paar namens Hengist und Horsa gewesen sein sollen. Beide Namen bedeuten „Pferd“, teilweise werden sie auch als „Hengst“ und „Stute“ gedeutet. Es spricht einiges dafür, dass es sich dabei nicht um historische Häuptlinge gehandelt hat, sondern um die bei germanischen Adelsgeschlechtern übliche Rückführung auf Gottheiten als Stammväter des eigenen Geschlechts. Hinter denen dürften wir in diesem Fall dann genau jene pferdegestaltigen Zwillinge vermuten, die wir von den Naharnavalen als Alcis und aus Indien als Asvins kennen, und die uns noch bis in neueste Zeit von den Giebeln norddeutscher Bauernhäuser entgegenblicken.

Dass die als wanische Gottheiten mit so einem kriegerischen Unternehmen nicht zusammenpassen, ist als Argument nicht sehr schlagkräftig. Denn zum einen mag es sich um die persönlichen Gottheiten der späteren Königsfamilie gehandelt haben, also um eine Rückprojektion bereits friedlicherer Verhältnisse. Zudem sind gerade die Angeln als Nerthus-Verehrer ausdrücklich erwähnt, was gerade bei ihnen eher einen eher wanischen Hauptkult vermuten lässt. Vor allem aber dürfte die strikte Trennung zwischen angeblich friedlichen „matriarchalischen“ Wanen und kriegerischen „patriarchalischen“ Asen eher ein Klischee der heutigen Zeit sein. Vergessen wir nicht, dass die Wanen im Krieg gegen die Asen Sieger blieben und die Asen klein beigeben mussten.

Die Erlangung des Rauschtrankes

Ein bekannter altnordischer Mythos ist die Erlangung des Dichtermets, des heiligen Rauschtrankes Oðr?rir („Ekstase-Aufrührer“). In Snorris Skáldskaparmál (einem Teil der Prosa-Edda) ist es Odin, der es auf den Met abgesehen hat, welcher sich bewacht im Innern eines Berges befindet. Nachdem Odin durch verschiedene Listen in seinen Besitz gelangt ist, verwandelt er sich in einen Adler, und es gelingt ihm die Flucht mit dem Met, auch wenn er von Suttung, dem Wächter des Trankes, hart verfolgt wird und nur knapp sichere Gefilde erreicht.

Im altindischen Rigveda (IV, 27) ist der Rauschtrank (Soma) nicht in, sondern auf einem hohen Berg gefangen. Der personifizierte Soma erzählt hier selbst von seiner Errettung. Ein Falke ist es, der ihn von dem Berg hinwegträgt, und dieser Falke ist niemand anderes als der verwandelte Indra. Der Wächter des Soma bringt den Falken durch Pfeilschüsse noch in höchste Gefahr, aber auch hier glückt die Entführung.

Snorri erzählt, dass der Met in drei Gefäßen aufbewahrt wurde, deren Namen schwer zu deuten sind (was auf ein hohes Alter schließen lässt). Auch das hat seine genaue Entsprechung, wenn in der indischen Mythologie drei Becher erwähnt werden, in denen der Soma für Indra gepresst wird.

Vom griechischen Zeus kennen wir übrigens dieselbe Tat: Auch er entführt in Gestalt eines Adlers den Mundschenk Ganymedes zu den Göttern des Olymp. Hier ist der Rauchtrank bereits ganz personifiziert.

In der altnordischen Variante hat die Entstehung des Dichtermets eine lange Vorgeschichte. Beim Friedensschluss zwischen Asen und Vanen spucken beide Parteien in ein Gefäß, und aus diesem Speichel entsteht das Wesen „Kvasir“, das alle Weisheit der Welt in sich trägt.

Der Name Kvasir ist recht durchsichtig, Noch im heutigen Russischen („kvas“) und Norwegischen („kvase“) bezeichnet er vergorenen Beerensaft. Und die Methode, bei zerkauten Pflanzenteilen durch den Speichel einen Gärprozess anzuregen, findet man bei allen Naturvölkern. Kvasir wird in der Edda später von zwei heimtückischen Zwergen zerstückelt, woraus der göttliche Met entsteht.

Nun müssen wir abermals jenen indischen Mythos erwähnen, in dem es zum Konflikt zwischen den Göttern um Indra und den Asvins kommt. Wir kennen letztere bereits als Fruchtbarkeitsgottheiten, die den Wanen ähnlich sind. Die indischen Götter haben Vorbehalte, sie in ihre Gemeinschaft aufzunehmen.

In der indischen Version kommt den Asvins nun ein mächtiger Weiser zu Hilfe, der ein Wesen namens Mada (Trunkenheit) erschafft (was der nordischen Gullveig und der römischen Tarpeia entspricht), das den gewaltigen „Metvernichter“ Indra letztlich zum Einlenken zwingt. Die Asvins werden in die Götterfamilie aufgenommen. Genau wie in der Edda, wird das Rauschwesen nun in jene Bestandteile zerstückelt, denen nach indischer Auffassung Rauschcharakter zukommt: Trunk, Frauen, Glücksspiel und Jagd. Auch dies eine klare Parallele zu dem germanischen Kvasir.

Nun gibt es noch eine weitere und sehr unterschiedliche indische Variante der Erlangung des Rauschtrankes, die im Rigveda nur aus verstreuten Andeutungen ersichtlich ist (IV, 18,10-12; III 48,1-4; VIII 7,24). Aus diesen kann man herauslesen, dass die Gewinnung des Trankes offenbar damit einhergeht, dass hier ein Gott seinen Vater umbringt. In dieser Variante spielt Indra ebenfalls die Hauptrolle, entscheidend dabei ist aber, dass er dabei aber von einem anderen Hochgott begleitet wird (einmal Vishnu, das andere Mal Trita).

Und diese indische Variante findet dann tatsächlich ihre erstaunlich genaue Entsprechung in einem Lied der älteren Edda. Und erst diese Erkenntnis macht Einzelheiten des Liedes verständlicher. Es handelt sich um das Hymir-Lied.

Als man bei dem Meeresgott Aegir ein Gelage abhalten will, fehlt es an einem geeigneten Kessel für das Getränk. Also zieht Thor in Begleitung von Tyr los, um für d[…Textpassage fehlt…]

Erstaunlich aber ist nun, dass hier der Riese Hymir als Vater von Tyr/Teiwaz genannt ist, was allen anderen Quellen widerspricht. Auch hier geht die Geschichte also mit dem Detail einher, dass der alte Blitzschleuderer bei der Erlangung des Rauschtrankes (und als nichts anderes darf man diese Kesselaktion bewerten) von einem weiteren Hochgott begleitet wird, und dass bei dieser Unternehmung ein Gott seinen Vater tötet. Und gerade diese verblüffende Parellele zum indischen Material macht deutlich, dass hier ein Jahrtausende altes Motiv getreu bewahrt worden ist, auch wenn es im altnordischen Kontext keinen genealogischen Sinn mehr ergibt.

Aber nicht genug damit: Durch diese germanische Version wird nämlich abermals die Brücke zurück zur indischen Mythologie geschlagen, denn eine weitere indische Variante über den Rauschtrank berichtet von der Suche nach einem geeigneten Gefäß, bei dem der Beherrscher der Gewässer (wie der altnordische Aegir) ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Man sieht, dass die Erlangung des Rauschtrankes ein bei den Indoeuropäeren wohl sehr beliebtes Thema war. Gerade der zahlreichen Variationen wegen aber erstaunen die über Jahrtausende treu bewahrten parallelen Details bei Indern und Germanen.

Ende und Neugeburt der Welt

In den Quellen der Edda wird uns das Ende der Welt recht genau beschrieben. Die Sonne verfinstert sich, ein mehrjähriger Winter bricht herein, die Menschen verlieren Anstand und Moral und es kommt zum sinnlosen Morden aller gegen alle, und in einer gewaltigen zum Himmel lodernden Feuersbrunst geht die Welt unter. Aus allen Richtungen ziehen dämonische Kräfte und Wesen heran und es kommt zu einem letzten Kampf der Götter gegen die zerstörerischen Kräfte des kosmischen Geschehens, bei dem die Götter unterliegen und ebenso sterben, wie alles andere auf der Welt. In düsteren und mächtigen Bildern wird uns das ausgemalt.

In den altrömischen Sibyllinischen Weissagungen finden wir dieses Ende und den Weltenbrand nun mit teilweise identischen Formulierungen beschrieben wie in der Edda. In der römischen Quelle heißt es u.a.:

„Wenn aber einst auf der Erde Erdbeben mit schrecklichem Blitzstrahl gemengt sein wird, flüchtiger Wölfe rasende Wut und Männer-Ermorden […], dann wird des siebenhügeligen Roms gewaltiger Reichtum zugrunde gehen, von stark loderndem Feuer verzehrt und der Flamme des Vulkan. Aber die sämtliche Welt mit all den unzähligen Menschen tötet einander in rasender Wut. Und in der sämtlichen Welt wird es so an Menschen mangeln.“

Aber nach dieser totalen Vernichtung steigt eine neue Erde aus dem Nichts empor. Jene Götter, die schuldlos blieben, werden wiedergeboren. Es ist von einem „Mächtigen“ die Rede, der „von oben“ kommen und alles gut lenken wird. Und auch ein Menschenpaar hat überlebt, indem es sich im Holz des Weltenbaumes versteckt hat. Es wird auch die neue Erde wieder mit Menschen bevölkern. Die mehrfache Überlieferung dieser Tatsache (Völuspa, Vafþruðnismál und Gylfaginning) macht deutlich, dass es sich hierbei nicht nur um eine individuelle Eingebung des Völuspa-Dichters handeln kann.

Auch in den römischen Quellen finden wir das passende Gegenstück:

„Goldene Zeit mit gefahrlosem Frieden wird wiedergeboren. Huldreich kehrt endlich zur Erde zurück, ohne Zeichen der Trauer, Themis [Göttin der Gerschtigkeit, die die Erde aus Trauer über die Ungerechtigkeit der Menschen als letzte verlassen hatte]. Es folgen glückliche Zeiten. Während der Gott hier die Völker regiert, lässt die arge Bellona [Göttin des Krieges] rückwärts die Hände sich binden.“

Über lange Zeit konnte man nicht anders, als dieses Bild für eine direkte Übernahme christlicher Vorstellungen zu halten. Zu ähnlich war die Darstellung den apokalyptischen Bildern aus der Offenbarung des Johannes. Zu offensichtlich schien in „dem Mächtigen von oben“ der christliche Gott durchzuschimmern, der nach dem Untergang des Heidentums zur Herrschaft kam, und zu offensichtlich erinnerte die neue Erde an das Paradies oder das „himmlische Jerusalem“.

Erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts brachte die Bibelforschung Erkenntnisse zu Tage, die früher nicht einmal gedacht werden durften. Zunehmend wurde klar, dass die Verbreitung dieser Vorstellungen genau umgekehrt verlaufen war. Diese Vorstellungen von einem solchen Ende und Neubeginn entstammen nicht den biblischen Quellen, sondern das Judentum hat sie von den indoeuropäischen Iranern übernommen. Sie sind also indeoeuropäisches Erbe. Bezeichnenderweise tauchen sie auch im gesamten Alten Testament nicht auf, sondern erst in einer extrem späten Zeitphase. Zum objektiven Beleg dafür zwei Zitate von international angesehenen Religionswissenschaftlern:

„Die Frage stellt sich, wie das altisländische Endzeitszenar sowohl mit dem biblischen übereinstimmen kann, als auch offensichtlich mit dem im iranischen und indischen Kulturbereich überlieferten. Die nordischen Vorstellungen zu Schöpfung und Urzeit können dabei beiseite bleiben, da ja nicht ‚christentumsverdächtig‘, aber die folgenden Überlegungen stützen helfen. Die Antwort wird dann lauten müssen: Es ist mit einem indogermanischen (gemeinsamen) Grundstock eschatologischer Vorstellungen, einem indogermanischen Endzeitszenar zu rechnen, die im germanischen und im iranischen (und indischen) Raum unter je bestimmten historischen Bedingungen aktiviert wurden. Im Zuge der engen kulturellen Berührung Israels mit Persien (Palästina war über 200 Jahre lang Teil des Persischen Großreiches) sind dieselben Vorstellungen, ist dieses selbe Szenar auch Bestandteil der jüdischen und später christlichen Apokalyptik geworden. Die Gemeinsamkeiten zwischen nordgermanischer und christlicher Eschatologie ergäben sich dann aus einer gemeinsamen (indogermanischen) Quelle, nicht primär aus christlicher Beeinflussung.“ (Hasenfratz, S. 125 f.)

„Die persische Vorstellung von einem Weltdrama, das mit der Schöpfung beginnt und mit der Vernichtung alles Bösen seinen Abschluss findet, weist eine Reihe von Zügen auf, die vom Judentum übernommen wurden und aus diesem in das Christentum und in den Islam übergegangen sind. Die Juden haben diese Vorstellungen sich zu eigen gemacht, in angemessener Weise umgebildet und ihrem Geschichtsschema eingefügt. Diese kosmische [indogermanische] Eschatologie ist also die Wurzel, aus welcher die Geschichtskonstruktion der westlichen Religionen erwachsen ist.“ (Glasenapp, S. 228 f.)

Vor allem aber sind die indischen Quellen der beste Beweis für den indoeuropäischen Kontext, denn hier finden wir abermals wieder die genauen Parallelen zu den germanischen Quellen. Das Weltende zeichnet sich ebenfalls durch einen Untergang von Moral und Anstand ab. Beim Untergang der Welt erscheint „von oben“ Vishnu („der Mächtige“) auf einem weißen Ross, um jedem Menschen die karmischen Belohnungen oder Strafen für seine Taten zuzuteilen. Und diese Parallele zu dem „Mächtigen, der von oben kommt“ aus der germanischen Völuspa ist nun so augenfällig, dass auch hier der Verdacht auf christlichen Einfluss ziemlich zu schwinden beginnt.

Nun ist die indische Anschauung aber noch viel weitergehender. Sie unterscheidet zwischen dem ständigen Untergang einzelner „Welteneier“ (also Planeten und ihrer Bewohner) und dem endgültigen Untergang des gesamten Kosmos. Aber auch hier kommt es in beiden Fällen zu einer Neugeburt. Man geht von einer ständigen Neuentstehung von Planeten aus, die wiederum Wohnstätte für inkarnierte Seelen bilden. Aber auch nach dem Untergang des gesamten Kosmos erfolgt eine Rückbildung in jene undifferenzierte Urmaterie, wie wir sie am Anfang in Form des „Abgrundes“ kennengelernt haben, die aber nach einer langen Pause völliger Ruhe in einem identischen Schöpfungsprozess einen neuen Kosmos bildet, den neue Götter und Lebewesen bevölkern werden.

Verblüffend ist dabei nicht nur, dass hier in exakt angegebenen Zeiträumen gerechnet wird, die in die Jahrmilliarden gehen und somit den tatsächlichen Gegebenheiten nahekommen, sondern auch, dass diese uralten religiösen Vorstellungen unglaubliche Ähnlichkeiten mit modernsten kosmologischen Modellen der Astronomie aufweisen: Urknall, Expansion des Kosmos, der irgendwann wieder in sich zusammenfällt, was zu einem neuen Urknall mit anschließender Neuentstehung des Kosmos führen wird.

Wenngleich es auf Grund der Quellenlage etwas verwegen wäre, für die germanische Welt ähnlich durchdachte Feinheiten anzunehmen, haben wir doch genug Hinweise auf dasselbe zyklische Weltbild von Werden, Vergehen und Wiedergeburt als ewigem Kreislauf, wie es für alle indoeuropäischen Religionen typisch gewesen zu sein scheint. Dieses zyklische Weltbild steht aber in unvereinbarem Kontrast zu dem linearen Weltbild der monotheistischen Religionen, das von einem einmaligen Anfang der Schöpfung durch Gott zu einem endgültigen Ende aller Dinge verläuft.

Schlussbemerkung

Die hier behandelten Zusammenhänge sind nur die Spitze eines Eisberges. Sie ließen sich beliebig vertiefen und vermehren. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist der Artikel auf die markantesten Beispiele begrenzt worden. Er dürfte aber auch in dieser Form seine Funktion erfüllen, denn die dargestellten Zusammenhänge sind in der Regel nur professionellen Religionswissenschaftlern oder Indogermanisten bekannt. Leider! Das Klischee, dass die vorchristlichen Religionen Europas „primitiv und barbarisch“ gewesen seien, ist immer noch weit verbreitet. Bezeichnenderweise aber macht niemand den noch heute existierenden indoeuropäischen Religionen diesen Vorwurf, sondern die werden gerade ihrer philosophischen Tiefe wegen oft bewundert.

Das bringt uns zu der Frage, welche indoeuropäischen Religionen denn überhaupt noch überlebt haben. In Europa keine, zumindest nicht offiziell. Natürlich hat sich ein unübersehbarer Strom dieses Denkens im Untergrund fortgesetzt. Nicht nur alle Märchen sind voll davon und viele Volksbräuche gehen auf vorchristliche Traditionen zurück, sondern gerade der Katholizismus ist in vielen seiner Dogmen und Ausformungen (die weniger auf jüdische, sondern sehr viel mehr auf spätantike Strömungen zurückgehen) sehr viel heidnischer, als es seinen offiziellen Vetretern (und Kritikern!) recht sein mag. Genau das war ja das entscheidende (und gewissermaßen völlig brechtigte!) Argument des Protestantismus gegen den Katholizismus.

Wie aus dem gesamten Artikel schon deutlich werden sollte, ist Indien mit fast einem Drittel der Weltbevölkerung bis heute eine der tragenden Kräfte indoeuropäischen Religionsverständnisses. Andererseits aber handelt es sich beim heutigen Hinduismus nicht um EINE Religion, sondern der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für alle Traditionen des indischen Subkontinents, die in sich teilweise äußerst widersprüchlich sind. Die uralte vedische Schicht der indischen Tradition ist heute durch vielfältige andere Einflüsse überlagert, so dass es falsch wäre, die heutigen religiösen Ausprägungen indischen Denkens aus einer rein indoeuropäische Quelle abzuleiten.

Sehr viel berechtigter aber ist es, eine frühe Weiterentwicklung alt-indischen Denkens als typisch indoeuropäisch anzusehen: den Buddhismus. Der entspringt gänzlich der alten indoeuropäischen Weltsicht, und auch alle Texte des frühen Buddhismus sind in Pali, einer dem Sanskrit sehr ähnlichen, altertümlichen indoeuropäischen Sprache verfasst. Allein schon deshalb muss man ihn zu den indoeuropäischen Religionenen zählen.

Kleine Reste indoeuropäischer Religionen haben im iranischen Kulturbereich überlebt, darunter auch die der kurdischen Yesidi, deren Religion allerdings eine Art Geheimlehre ist, die gegenüber Außenstehenden abgeschirmt wird. Das entspricht bitterer Erfahrung, denn sie werden nicht nur staatlicherseits ihrer kurdischen Identität wegen verfolgt, sondern zusätzlich vor allem von den anderen (muslimischen) Kurden als „Götzenanbeter“ diskriminiert.

Eine weitere iranische Religionsgemeinschaft sind die Parsen. Dabei handelt es sich um die alt-iranische Religion schlechthin, wie sie vor der Islamisierung des Landes Staatsreligion war, jener Religion, die Zarathustra ca. 800 v.Chr. aus den alten indoeuropäischen Traditionen in eine neue Form gebracht hatte. Der Begriff „Persien“ leitet sich aus ihrem Namen ab. Sie sind heute in ihrer Heimat ebenfalls eine verfolgte Minderheit. Prominentestes und religiös bekennendes Mitglied dieser Religion war übrigens Queen-Sänger Freddy Mercury.

Der Mythenschatz, den all diese Religionen hervorgebracht haben, ist von einer unermesslich reichen und schönen Ausformung, von der wir auch in den alten europäischen Quellen noch zahlreiche Beispiele finden. Der Untergang und das Vergessen dieser reichen Mythologie wäre ein unersetzlicher Verlust des kulturellen Erbes großer Teile der Menschheit.

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Literatur

Das Problem beginnt schon bei den Quellen. Es gibt keine Gesamtübersetzung der Veden, sondern nur kleine Auswahlbände:

Paul Thieme: Gedichte aus dem Rig-Veda. Stuttgart: Reclam 1993

Arthur A. MacDonell: A Vedic Reader for Students. Oxford University Press 1917 (bis heute immer wieder nachgedruckt)

Walter Ruben: Texte der indischen Philsophie. Bd.1: Aus den Veden. Berlin 1961

Die Texte der Veden sind für „Uneingeweihte“ aber noch weitaus schwieriger und unverständlicher, als es die Lieder-Edda für Anfänger ist. Deshalb sind Sekundärwerke zur vedischen Religion grundsätzlich der bessere Einstieg. Die allerdings sind leider oft nur für Fachleute verständlich.

Für die griechischen Quellen ist Hesiods Theogonie zu erwähnen, die in einer preiswerten Neuübersetzung von Otto Schönberger 1999 im Reclam Verlag erschienen ist. Auch Hesiods Schrift „Werke und Tage“ bietet vereinzelte Hinweise. Das Maßgebliche aber muss man sich leider aus zahlreichen anderen Quellen und Handbüchern zusammensuchen.

Vor allem aber gibt es kein Einzelwerk, in dem die Parallelen so systematisch aufgeführt werden, wie es in diesem Artikel erstmals versucht worden ist. Man muss sich das Material auch hier buchstäblich aus Dutzenden von verstreuten Spezialwerken zur Indogermanistik heraussuchen. Von den auch für Laien verständlichen Werken, in denen einiges davon erwähnt wird, seien folgende Titel genannt:

Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. Berlin 1956/57

Herbert Gottschalk: Lexikon der Mythologie. München 1993

Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 1984

Helmuth von Glasenapp: Die fünf Weltreligionen. München 1998

Hans-Peter Hasenfratz: Die religiöse Welt der Germanen. Freiburg 1992

Norbert Oettinger: Isländische Edda und indische Veden. Ein mythologischer Vergleich. In: Große Werke der Literatur, Bd.1. Augsburg 1990

Heinrich Zimmer: Abenteuer und Fahrten der Seele. Ein Schlüssel zu indogermanischen Mythen. München 1977 (sowie zahlreiche andere Arbeiten dieses Verfassers)

folkish vs. universalist – Asatru

Die Begriffe „folkish“ und „universalist“ geistern seit geraumer Zeit durch die internationale Heidenszene. Ich habe hier versucht, den Standpunkt des Eldaring innerhalb dieser Debatte einmal auf den Punkt zu bringen.

Man begegnet im Zusammenhang mit Asatru gelegentlich dem Adjektiv „folkish“ oder seiner – wohl etwas heiklen – deutschen Übersetzung „völkisch“. Etwas seltener hört oder liest man auch das als Gegenbegriff gemeinte „universalist(isch)“. Beim Troth wird eine solche Einteilung unserer Religion nicht vorgenommen, und auch der Eldaring macht sich diese Begrifflichkeiten nicht zu eigen. Da sie aber immer wieder auftauchen und regelmäßig für Diskussionsstoff und in nicht unerheblichen Maße für Irritation sorgen, sei hier einmal kurz auf sie eingegangen – allerdings weniger auf ihre Bedeutung sondern vielmehr auf die Gründe, warum wir sie eben nicht für sinnvoll erachten und deshalb nicht verwenden wollen.

„Folkish“ ist eine Selbstbezeichnung einzelner Heiden und heidnischer Gruppierungen (ursprünglich vor allem im englischsprachigen Raum), die damit eine Lesart ihrer Religion kennzeichnen möchten, die besonderen Wert auf die ethnische Komponente der Tradition legt. Das Spektrum reicht dabei von durchaus gemäßigten, toleranten Personen bis hin zu ausgesprochenen Rassisten.

Ist nun der Begriff des „folkish“ schon problematisch genug, so erweist sich das „universalist“ bei näherer Betrachtung als Schimäre, die in der Konsequenz auch das „folkish“ in einem äußerst fragwürdigen Licht erscheinen läßt. Die radikaleren Vertreter der „folkish“ Richtung haben den Begriff „universalist“ geprägt, um einen Gegenbegriff zu ihrem „folkish“ zu haben – offenbar gefangen in einem Dualismus-Bedürfnis, dem unsere „westliche“ Kultur seit Etablierung des Christentums so verhaftet scheint, das aber ganz und gar nicht heidnischer Weltsicht entspricht.

Tatsächlich dürfte man aber vergeblich nach einem Heiden suchen, der sich selbst als „universalistisch“ bezeichnen würde. Der Begriff ist auch schon deshalb unsinnig, weil er eine Allgemeingültigkeit behauptet, die so niemand im Heidentum vertritt. Eine „universalistische“ Religion begegnet uns zum Beispiel im missionsbeflissenen Christentum. Kein noch so eifriger Heide würde von seiner Religion behaupten, sie sei die allein seligmachende Lehre für alle Menschen dieser Erde. Ganz im Gegenteil – Heiden kennen und respektieren eine Vielzahl verschiedenster religiöser Traditionen mit jeweils ganz eigenen Mythen und Gottheiten.

Es gibt faktisch kein „universalist Asatru“. Das ist vielmehr ein rein hypothetisches Konstrukt, das auf einer gedachten „Asatru-Skala“ an demjenigen Ende zu finden wäre, das der rassistischen Form des „folkish“ gegenüber läge. Man könnte dagegen vielleicht davon sprechen, daß es eine exklusive und eine tolerante Auffassung von Heidentum gibt. Die exklusive Richtung beschränkt normativ (d.h. vorschreibend) die Möglichkeit der Teilhabe an der Religion auf eine bestimmte Gruppe (die verschieden definiert sein mag). Die tolerante Richtung akzeptiert prinzipiell jeden als legitimes „Mitglied“ dieser Religion. Allerdings werden auch die Vertreter der letzteren Richtung, zu der wohl auch der Eldaring zu rechnen wäre, in individuell verschiedenem Grade einen ethnischen Fokus anerkennen. Denn daß einzelne heidnische Religionen jeweils Produkte bestimmter Kulturen und Völker sind, wird niemand leugnen können oder wollen.

Wie und warum aber sollte sich aus der Tatsache, daß heidnische Religionen ethnischen Ursprungs sind, eine ethnische „Zulassungsbeschränkung“ ableiten lassen? Gegen wen wollte man sich denn damit abgrenzen und vor allem – zu welchem Zweck? Die panische Angst vor einer Überfremdung, unter der manche zu leiden scheinen, kann man nur noch als Paranoia bezeichnen. Kultur ist keine Frage der Hautpigmentierung, Religion ist nicht in den Genen kodiert. Ein Mensch, der in einer von der unseren gänzlich verschiedenen Kultur geboren und aufgewachsen ist, wird kaum den brennenden Wunsch verspüren, sich ausgerechnet uns anzuschließen. Wenn doch, so würde uns das zwar wahrscheinlich wundern – aber wenn jemand sich von den Asen gerufen fühlt, soll uns das Grund genug sein, ihn aufzunehmen. Wer auch immer sich zu uns gesellt, wird dafür seine ganz persönlichen Gründe haben. Solange die betreffende Person unsere Grundsätze und Ziele teilt und respektiert, ist sie herzlich willkommen.

Daß von all dem abgesehen, die eigene „Ethnizität“ in genetischer Hinsicht gerade für einen modernen Mitteleuropäer nahezu unmöglich festzustellen oder auch nur klar zu definieren ist, bedarf eigentlich kaum noch der Erwähnung. Genausowenig wie die Tatsache, daß unsere Vorfahren in solchen Kategorien überhaupt nicht gedacht haben.

Der Eldaring vermeidet den Begriff „folkish“, selbst in seiner gemäßigten Auffassung. Nicht nur, weil seine wörtliche deutsche Übersetzung ihn in die Nähe unguter Verwendungen in der jüngeren

deutschen Vergangenheit rückt. Zwar ist „völkisch“ natürlich kein „Nazi-Wort“ per se. Aber es wäre nur schwer vermittelbar, daß man „völkisch“ nicht in dieser Bedeutung gebraucht, da dieses Adjektiv ansonsten in unserer Sprache kaum je Verwendung findet. Viel wichtiger: der Begriff „folkish“ ist vollkommen überflüssig. In seiner gemäßigten, nicht-rassistischen Form bedeutet er nichts anderes, als daß Asatru eine ethnische Religion ist. Aber das ist Asatru per definitionem. Warum also dafür einen eigenen Begriff prägen? Und vor allem, macht es Sinn, selbst wenn man zu dieser gemäßigten Richtung neigt, sich in eine Schublade zu begeben, die unter anderem auch Rassisten enthält? Das führt lediglich zu Erklärungsnöten, schlimmstenfalls zu eigentlich völlig unnötigen Auseinandersetzungen und Anfeindungen.

Neue begriffliche Unterscheidungen oder Kategorien einzuführen macht ganz allgemein nur dann einen Sinn, wenn sie helfen Klarheit zu schaffen. Das Gegenteil aber ist hier der Fall – es wird nicht nur mehr Verwirrung erzeugt, auch werden Grenzen geschaffen, wo keine sein müßten, Mißverständnisse und Feindseligkeiten sind vorprogrammiert.

Der Eldaring spricht niemandem das Recht ab, sich als „folkish“, „universalistisch“ oder wie auch immer zu betiteln. Auch wollen wir niemanden in die „rechte“ oder sonst eine Ecke stellen, bloß weil er diese oder jene Bezeichnung für sich verwendet. Niemand ist gleich ein Neonazi, nur weil er sich „folkish“ nennt. Aber die ganze „folkish / universalist“ Debatte ist im Sinne unserer Sache nur kontraproduktiv. Wir brauchen sie nicht!

Die Alte Sitte

Für unsere germanischen Vorfahren war die Welt von Lebendigem durchdrungen. In den tausendjährigen Eichen der Urwälder, in klaren Quellen und tiefen Seen, in Auen und Wasserfällen, auf Bergeshöhen und im nebligen Moor, überall spürten sie Leben, mit dem sie sich verwandt fühlten, und dem sie in ihren Sagen Gestalt verliehen. Es war ratsam, den gewaltigen Riesen aus dem Wege zu gehen, und die freundlichen Landwichte nicht zu verärgern.

Wer etwa das Wasser verpestete, heilige Bäume fällte oder sich sonst rücksichtslos gegenüber dem Land und seinen Bewohnern verhielt, zog sich ihre Unfreundschaft zu und wurde mit Krankheit, Gift und Unfruchtbarkeit gestraft.

In den Bergen, in Gletscher, Fels und Firn lebten Riesen, Türsten oder Jetten genannt. Sie waren nicht böse, doch in ihrer Wildheit verwüsteten sie die Fluren der Menschen mit Hochwasser, knickten ihre Wälder im Sturm und begruben ihre Häuser unter Lawinen und Murgängen. Die Jetten waren das älteste Geschlecht der Erde. In der Urzeit, als nichts war, ausser Feuer und Eis, wuchs aus dem Tau, den diese beiden Elemente bildeten, der erste Riese. Er war ein Zwitter und vereinigte alle Gegensätze. Die Götter töteten ihn und schuffen aus ihm die Welt, aus seinen Knochen die Berge, aus seinem Fleische die Erde, aus seinem Blut das Wasser und aus seinem Hirn die Wolken.

Den Menschen und Göttern freundlicher gesinnt waren die lichten Elbe. Sie wohnten unter Hügeln, in Schluchten und eigentümlichen Felsen. Sie sorgten für fruchtbare Fluren und gesundes Vieh. Im Winter feierte man ihnen zu Ehren ein grosses Fest. Die schwarzen Elbe, verschlagene, hässliche Gestalten, lebten tiefer in der Erde, in Klüften und Höhlen gruben sie nach Gold und Edelsteinen. Sie horteten riesige Schätze und schmiedeten verzauberte Waffen für Götter und Helden.

Auch manche Menschen wurden nach ihrem Tod zu Elben. Sie lebten in ihren Grabhügeln, und Fro, der Gott der Fruchtbarkeit und des Reichtums war ihr Herr. Die verstorbenen Mütter wurden Itisen genannt. Sie schützte die Kinder ihrer Sippe, wirkten ihnen ein gutes Schicksal und sorgten für fruchtbare Felder und Herden.

Manche Verstorbene geisterten aber auch als Bôtzen herum. Sie waren unschön aus dem Leben geschieden, hatte noch offene Rechnungen zu begleichen und terrorisierten nicht selten ihre Nachkommen, bis ihrem Anliegen genüge getan wurde. Nicht minder furchterregend war der Zug der Toten, der in finsteren Nächten gesehen werden konnte. Die im Kampf gefallenen Krieger ritten mit Wuodan des Nachts als wilde Jagd über Wald und Weid, und es graute denen, die ihnen begegneten. Doch auch sie brachten den Feldern, über die sie sprengten, Segen. Ein Gefühl der Verbundenheit und Verwandschaft mit dem Leben auf der Erde, und nicht minder mit den Toten, deren Lebenskraft nicht verloren, sondern in die grosse Natur eingegangen war, prägte unsere heidnischen Vorfahren. Das Göttliche verehrten sie in den Erscheinungen einer vielfältigen, sich immer erneuernden und doch immer gleichen Natur.

Alle Welten wurden zusammengehalten durch den grossen Weltenbaum, die Irmansûl. In seiner Spitze lebte ein Adler, an seinen Wurzeln nagte ein Drache, in den Blättern weideten sich Hirsche. Am Fusse dieses leuchtenden Bildes des Lebens sprudelte eine Quelle, deren Wasser der Tau aus den Blättern der Weltenesche war. Der Wurtbrunnen, so hiess er nach dem alten Wort für „Schicksal, Geschick“, war die Quelle allen Lebens, allen Schicksals und allen Wissens. Drei Nornen sassen an seinem Ufer, schöpften sein heiliges Wasser und begossen damit den Stamm der Irmansûl, die vom Sinter weiss glänzte. In der Tiefe des Quells aber lag das eine Auge Wuodans, dass er dem Riesen Mimer zum Pfande gegeben, um einen Schluck der Weisheit aus dem Brunnen der Erinnerung zu trinken.

Von der Heiligkeit des Schicksals

In einer Welt, die während eines halben Jahres in Schnee und Eis, in Dunkelheit und Kälte erstarrte, in einer Natur, die dem Menschen nur während eines kurzen, lichten Sommers die Möglichkeit gibt, sich von ihr zu nähren, wo die Heimstätten der Menschen zwischen wildem Gletschergebirge und der am Lande nagenden See, zwischen undurchdringlichen Urwäldern und tückischen Mooren lagen, war das Leben ein kostbares Gut, dass man sich täglich zu erkämpfen hatte. Um in diesen Breiten zu bestehen, brauchte man vorallem eines: Kraft. Körperkraft, um zu arbeiten, geistige Kraft, um sich den Anforderungen dieser rauhen Welt zu stellen, und schliesslich auch Zeugungskraft, denn wer keine Kinder hatte, um den war es arg bestellt. Die Menschen, die in dieser Welt heranwuchsen, machten sich keine Illusionen über Gut oder Böse. Die Gesetze der Natur waren unnachsichtig. Wer durch Nachlässigkeit die Ernte verdarb, hungerte im Winter. Ob gerecht oder ungerecht, was mochte das für eine Rolle spielen? Im Norden zu leben hat immer geheissen, sich dem Unvermeidlichen zu beugen, die Chancen zu nutzen, die sich boten, und das, was zu tun war, möglichst gründlich zu tun. Was die Natur des Nordens unseren Vorfahren gelehrt hatte, finden wir in ihren Mythen.

Unerbittlich wie der einfallende Winter erscheint uns hier das Schicksal. Alles, was geschieht, ist, oft auf verhängnissvolle Weise, miteinander verwoben. Eine Tat führt zur anderen, alles kommt, wie es kommen muss. Dem Menschen bleibt, zu tun, was zu tun ist. Wuodan weiss von seiner Niederlage in der letzten Schlacht, Palter träumt von seinem Tod. Sigfrid, der grosse Held, weiss von Anfang an um den unheilvollen Gang der Dinge. Doch erstaunlicherweise finden wir in dieser Welt, in der alles gezählt und gewogen ist, keine Spur einer Revolte gegen das ungerechte Schicksal, keine enttäuschte Abkehr von der brutalen Welt. Es gab auch keinen zynischen Nihilismus, keinen Rückzug in die Befriedigung privater Gelüste, wie man vermuten könnte. Die Figuren, die uns in der germanischen Mythologie entgegentreten, erfüllten ihr Schicksal mit Verve, sie waren voller Lebensenergie, aktiv, selbstbewusst. Nicht, dass sie sich in ihr Los schickten, nein, sie schienen ihr Schicksal förmlich zu lieben.

Warum?

Eine wahre Lebenswut wohnte diesen Menschen inne. Sie waren vom Kampfgeist beseelt. Das Leben war ihnen heilig, und das Schicksal, das „Gewordene“, wie es in germanischer Tradition so treffend heisst, war das Leben, das Sein, an und für sich. Es wurde dem Menschen mit seiner Geburt gegeben, und er hatte ein Leben lang daran Teil, wurzelte als Individuum im ewigen Urgrund des Seins. Er wusste, dass in ihm etwas Heiliges lebte, jene Kraft, die sein Herz und seine Lenden belebte. Dies machte ihn würdig zu Leben und sein Leben lebenswürdig. Dies war die Grundlage seines Mutes und seiner Ehre.

So war es geradezu eine religiöse Pflicht, sich dem Heiligen in sich würdig zu erweisen, indem man eine starke und bewundernswerte Persönlichkeit zu werden versuchte. Es war die Lebensaufgabe eines alten Germanen, zu dem zu werden, was er war. Da er am Heiligen Teil hatte, musste er dieses Privileg durch seine Taten rechtfertigen. Selbstverachtung oder gar Selbsthass wären ein eigentliches Sakrileg gewesen.

Die Götter

Wenn die heidnischen Götter auch nicht Weltenlenker im eigentlichen Sinn waren, so kam ihnen doch grosse Bedeutung zu. Sie waren die Freunde und Beschützer der Menschen und wurden mit Opfern und Liedern geehrt. In den Göttergestalten der germanischen Sage erkennen wir unschwer die Götter jenes rätselhaften Volkes, dass einst nicht nur ganz Europa, sondern auch Asien und Indien besiedelte, der „Indogermanen“, wie sie ein unglücklicher Fachbegriff nennt.

Auf Felsenzeichnungen aus der Bronzezeit finden wir schon die Themen, die die Germanen bis zum Abbruch ihrer kulturellen Entfaltung durch das Christentum beschäftigte. Die in Skandinavien niemals brennend heisse, stets milde und segenbringende Sonne nahm einen wichtigen Platz in ihrer Symbolik ein. In unzähligen Variationen finden wir das Thema der heiligen Hochzeit, dass noch in drei eddischen Liedern mitschwingt. Schiffe, Pferde, Schweine und Zwillingspaare deuten ebenfalls auf die zentrale Rolle, die die sommerliche Fruchtbarkeit in jenen Gegenden spielte. Eine der ältesten Gottheiten der Germanen war Nerde, die Muttergöttin, die Frieden und Fruchtbarkeit schenkte. Sie hatte ein männliches Pendant, den skandinavischen Njörd, den Gott des Reichtums. Beide gehören zum Göttergeschlecht der Wanen. Diese waren lichte und beliebte Götter des Wachstums, des Reichtums, des Überflusses, der Liebe und des Friedens. In jüngerer Zeit traten Fro und Frouwe in den Mittelpunkt des Wanenkultes.

Ebenfalls uralte Götter waren Ziu und Wulder. Beide mussten in ältester Zeit weit grössere Verehrung genossen haben als zur Wikingerzeit. Wulder war der Gott der Eide und Schwüre, Ziu der Gott des Rechts und des Dings, der germanischen Landsgemeinde. Wie zu Ziu der helle Taghimmel, der Sommer gehörte, so war Wulder der Gott der Nacht und des Winters. Beide waren Götter, die Werte wie Mut, Ehre, Wahrheit und Recht schützten.

Diesen Zug teilten sie mit Donar, der bei den nordischen Adelsbauern wohl der beliebteste Gott war. Der kraftstrotzende, mit unbändigem Appetit gesegnete, ehrenhafte, aber aufbrausende Rotbart war geradezu das Urbild bäuerlicher Lebenskraft. Wie sein Name verrät, war er Herr über Blitz und Donner. Mit seinem Hammer kämpfte er gegen die Türsten und Jetten und schützte die Saaten der Menschen. Seine Kinder hiessen Mut und Kraft. Der mächtigste der Götter war aber Wuodan, der Gott der heiligen Wut. Er war der Meister der Magie und des geheimen Wissens. Er hatte sich selbst geopfert und im Weltenbaum aufgehängt. Nach neun endlosen Tagen der Folter waren ihm so die Runen offenbart worden. Um den Zugang zum Brunnen der Erinnerung zu erhalten, musste er dem Riesen Mimer ein Auge opfern. Die dritte Quelle seiner Weisheit war sein Met „Wutreger“, den er mit List und Tücke der Jettenmaid Guntlada entwunden, und nun mit Göttern und ausgewählten Kriegern teilte. Wie Donar und Ziu war Wuodan auch Kriegsgott. Doch kämpfte er nicht selbst, wie Donar, und unterstützte auch nicht stets die Gerechten, wie Ziu. Sein Krieg war magischer Art. Er blendete, fesselte, erschreckte Gegner, er versetzte die eigenen Krieger in rasende, übernatürliche Wut und liess oft gerade die besten sterben, um sie in seine Schar auserlesener Totenkrieger aufzunehmen. Man rief ihn um Sieg an und opferte ihm zum Dank die geschlagenen Feinde.

Wuodan war ein düsterer, unberechenbarer Gott, ohne die von ihm verliehene Lebens-, Liebes- und Kampfeswut hätten die Mensche im Norden aber nicht überleben können. Die Germanen sahen in ihm den Vater aller Götter und Menschen und den Erschaffer der Welt. Neben diesen wichtigsten Göttern erzählen uns die Mythen noch vom lichten Palter, vom verschlagenen und hinterlistigen Loder, der diesen ermorden lässt, von der weisen Göttermutter Frîja und von der Totenkönigin Hellia. Für eine ausführliche Darstellung der germanischen Mythenwelt ist an dieser Stelle wenig Platz. Halten wir fest, dass die Germanen Götter des Rechts und der Ehre, der Lebenslust, der Lebenskraft und der Lebenswut verehrten. Nie erscheint uns eine Gottheit ruhend oder gar transzendent. Wie ihre Verehrer waren die nordischen Götter ständig aktiv und führten ein rauhes, aber leidenschaftliches Leben.

Eine Religion der Praxis

Wenn die Religion der Germanen in diesem Artikel „Alte Sitte“ und nicht etwa „Alte Lehre“ genannt wird, hat das seinen Grund. Denn diese Religion bestand in der Tat ausschliesslich aus symbolischen Handlungen und Ritualen. Es existierte kein Gebäude esoterischer Lehren, kein Dogma, keine Gebote, keine Bekenntnisse. Es gab keine Gottsucher und keinen Mystizismus. Die Mythen, die uns bekannt sind, sind kunstvoll gedichtete Variationen überlieferter Sagen. Sie sind kein heiliges Buch, keine letzte Wahrheit und keine Offenbarung. Von grösserer Bedeutung war das überlieferte Recht, dem sakraler Charakter zukam. Es wurde bei der Versammlung der Freien, dem Ding gesprochen. Diese Landsgemeinde beschloss und pflegte Recht und Gesetz, hielt Gericht und bestimmte in Kriegszeiten den König. Sie war auch eine heilige Zusammenkunft, die von Opfern begleitet war. Dass das Ding in der Regel auch Markt, Börse und Volksfest war, tat dem nach germanischer Auffassung nicht den geringsten Abbruch.

Daneben bestand die religiöse Praxis hauptsächlich aus Festen. Das germanische Opferritual hiess Pluostar. Wenn die Götter gepluostart wurden, wenn ihnen also Opfer gebracht wurden, wurde ihre Macht gestärkt. Ziel des Opfers war nicht, einen Gott gnädig zu stimmen, sondern in ihm einen starken Verbündeten zu finden, denn die Menschen, wenn Not am Mann war, in die Pflicht nehmen konnten. Selten wurde einem Gott allein geopfert, im allgemeinen war es Brauch, das Opfer der ganzen Göttersippe darzubieten. Nicht minder als die Asen und Wanen wurden auch die Idisen und Elbe mit Opfern gestärkt. Ein Pluostar bestand in der Regel darin, dass zu Ehren der Götter ein Tier geschlachtet wurde. Das Blut wurde in einem heiligen Kessel gesammelt und war für die Götter bestimmt. Die Haut wurde an einen Baum gehängt, das Fleisch aber in grossen Kesseln gekocht und von der ganzen Gemeinschaft verzehrt. Dem zu opfernden Blut kam magische Kraft zu, es verband die Welt der Lebenden mit der Welt der Toten, die Menschen mit den Göttern. Runenzweige wurden in den Kessel geworden, um das Wurt zu erforschen. Zum folgenden Gelage, dem Hunsal, gehörte auch Bier und Met. War das Fleisch genossen begann das „ernsthafte Trinken“. Ein Horn mit Met wurde gereicht und auf die Götter, die Lebenskraft der Sippe, das Glück des Königs und das Andenken der Ahnen getrunken. Der Met versinnbildlichte die Lebensessenz, das Horn den Brunnen der Wurt. Die Trinkenden erinnerten sich grosser Taten, die vollbracht waren, und schworen heilige Eide für die Zukunft. Im Ring der Trinkenden herrschte geweihter Friede. Die Erinnerung an die Ahnen und die selbst vollbrachten Taten, der kühne Gedanke an die Zukunft, das prasselnde Feuer in der Mitte der Halle und der süsse Met, mit seiner begeisternden, Herz und Zunge beflügelnden Wirkung gaben den Feiernden Mut, Kraft und Zuversicht, das Gefühl, vom Leben und den mächtigen Kräften geliebt zu werden. Dreimal im Jahr kam man zu einem solchen Fest zusammen. Zu Beginn des Winters, wenn die Erntearbeit getan und die Vorräte üppig waren, in der Mitte des Winters, wenn der Toten gedacht und die Fruchtbarkeit beschworen wurde, und im Frühling, wenn man um Sieg opferte, um Erfolg im Kampf, auf dem Ding und in der Arbeit. Dreimal im Jahr kehrte der gemanische Mensch zurück in den Kreis seiner Sippe und seiner Genossen, feierte die Gemeinschaft mit Lebenden und Toten, mit den Göttern und Elben, feierte bei Tanz, Honigwein und Schweinefleisch nicht zuletzt auch sich selbst, vorallem aber die pure Lebenskraft, die ihn ihm wohnte. Um sie drehte sich in dieser Religion mit all ihren Mythen, Bräuchen und Sagen letztlich alles. Die grosse Esche im Zentrum der Erde, die Quelle allen Lebens, allen Schicksals und aller Weisheit war das höchste Weihtum, das Leben an sich das Allerheiligste unserer Alten Sitte.

Was ist Heidentum?

Da vielen Menschen überhaupt nicht klar ist, was der Begriff Heidentum ursprünglich und in heutigem Selbstverständnis genau bezeichnet, wird das hier einmal sehr allgemeinverstädnlich aufgezeigt.

Der Begriff Heidentum löst oft große Missverständnisse aus, die meist aus Nichtwissen resultieren. Deshalb soll hier einmal allgemeinverständlich dargelegt werden, was der Begriff eigentlich bedeutet. Über lange Zeit wurde er gerade kirchlicherseits und auch in allgemeinem Sprachverständnis mit Atheismus, also dem Leugnen von Religion schlechthin, gleichgesetzt oder aber generell auf alle nichtchristlichen Religionen angewandt. Heidentum ist aber nichts weiter als die Selbstbezeichnung jener Religionen, die in Europa vor Einführung des Christentums herrschten. Dazu gehörten nicht nur die bekannteren Religionen der Griechen und Römer, sondern auch die der Nordeuropäer, also die der Slawen, Kelten, Balten, Germanen, Finnen usw.

Die vorchristlichen Religionen Nord-Europas werden auch oft als „Naturreligionen“ bezeichnet, so wie viele ähnliche Religionen in anderen Teilen der Welt auch. Aber dieser Begriff ist sehr missverständlich, denn viele Leute stellen sich dabei vor, dass Anhänger von Naturreligionen Tiere, Felsen oder Bäume anbeten würden. Das ist natürlich völliger Unsinn. Zwar wird die Natur sehr viel mehr als gleichberechtigte Schöpfung angesehen, angebetet aber wird sie nie. Solche Vorstellungen gehen ausschließlich auf das Unverständnis früher Missionare zurück, die nicht-christliche Frömmigkeit nur als „Geisterfurcht“ und deren Gebete und Riten nur als „primitive Magie“ ansehen konnten. Die Anhänger solcher Religionen wurden als unreife Kinder angesehen, die nicht zu einem Gott, sondern zu „Götzen“ beteten, die dann im schlimmsten Fall als „Dämonen“ oder gar gleich als der Teufel selbst bezeichnet wurden. Deshalb soll auf ein weitverbreitetes Missverständnis gleich an dieser Stelle hingewiesen werden: Heiden sind keine Satanisten. Das können sie gar nicht sein, denn um an die Existenz eines Satan überhaupt zu glauben, muss man zunächst einmal 150prozentiger Christ sein, und genau das sind Heiden eben nicht. Das Heidentum kennt keinen Teufel und keine Hölle. Genausowenig hat das Heidentum etwas mit Esoterik oder Okkultimus zu tun, denn diese Begriffe bezeichnen sogenannte Geheimlehren, die nur ausgewählten Personen zugänglich gemacht werden. Bei den heidnischen Religionen gibt es aber keine Geheimnisse oder Geheimlehren, genausowenig wie bei den meisten anderen Religionen, sondern es war schlicht und einfach die allgemeine Volksreligion unserer Vorfahren.

Leider wird auch heute noch der Begriff „Heidentum“ oft mit der Vorstellung barbarischer Wilder verbunden, die irgendwelche finsteren und grausamen Rituale vollführten. Dieses Klischee zieht sich durch Bücher und Filme und wurde früher tatsächlich sogar auch in der Schule gelehrt (wobei dann natürlich geflissentlich verschwiegen wurde, dass z.B. auch Goethe und Schiller bekennende und überzeugte Heiden waren). Viele Menschen sind im Religionsunterricht noch mit solchen Vorstellungen gefüttert worden, als diese schon längst überholt waren. Vorurteile sind oft schwer auszurotten, aber leicht weiterzugeben, auch (oder gerade!) wenn sie auffällig kindisch sind. Aber dem Christentum war es über Jahrhunderte zur Gewohnheit geworden, alle anderen Religionen als minderwertig anzusehen, und Naturreligionen wurden als geradezu „primitiv“ angesehen. Diese Auffassung liegt nicht nur an der langen Verteufelung der alten Religionen durch das Christentum, sondern auch an einer naiven Fortschrittsgläubigkeit, die es als selbstverständlich ansieht, dass der moderne Mensch wegen der rasanten Fortschritte in Wissenschaft und Technik den Menschen früherer Zeiten auch sittlich überlegen sei. Und genau das ist ein sehr großer Irrtum.

Besonders ärgerlich aus heidnischer Sichtweise sind viele Filme und Romane, die Welten aus einer uralten Zeit entstehen lassen, und in denen es von Magiern, Priesterinnen und geheimnisvollen Gottheiten wimmelt. All das soll „Heidnisches“ darstellen, es basiert aber fast immer völlig auf dem christlichen Konzept eines ewigen Kampfes des Guten gegen das Böse, wobei das Böse immer die Welt versklaven will. Das ist eine ausschließlich christliche Sichtweise der Welt, die nichts mit einem heidnischen Weltbild zu tun hat, denn einen solch christlichen Dualismus zwischen absolut gut und absolut böse gibt es im Heidentum nicht. Gerade diese christliche Vorstellung der Dualität, der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, ist auch noch in den Köpfen von Menschen vorherrschend, die sich überhaupt nicht für christlich beeinflusst oder sogar für atheistisch halten, ohne dass sie merken würden, wie sehr ihr natürliches Denken dadurch zerstört worden ist, dass sie nicht mehr abwägen, die Dinge nicht mehr aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten können und von einem Extrem ins andere fallen. Auch im Heidentum gilt es, eine Balance zwischen guten und eher schädlichen Strömungen und Kräften zu halten, aber das funktioniert auf sehr viel harmonischere Weise und kommt ohne die Vorstellung des absolut Bösen aus. Die Erklärung menschlicher Dummheit, allzu verständlicher Schwächen, Fehler und Unzulänglichkeiten reicht in der Regel aus, um hinreichend zu erklären, warum es mit der Welt nicht gerade zum Besten bestellt ist.

Der Begriff „Naturreligion“ wird vor allem dazu benutzt, um ihn von dem der „Offenbarungsreligion“ zu unterscheiden. Unter Offenbarungsreligion versteht man eine Religion, die auf einen einzelnen Gründer zurückgeht und die er selbst (oder seine direkten Anhänger) in schriftlicher Form niedergelegt hat. Eine solche Schrift gilt dann als „heilig“ und unveränderbar. Der Religionsgründer behauptet, diese Schrift selbst von Gott „empfangen“ zu haben. Alle Anhänger dieser Religion sind somit gezwungen, jedes Wort dieser Verkündigung für bare Münze zu nehmen. Eigene religiöse Erfahrungen sind nicht erwünscht, da sie ja der offiziellen Lehre widersprechen könnten. Als „Vermittler“ zwischen den Menschen und dem Göttlichen gibt es vielmehr eine Priesterschaft, die den göttlichen Willen und die Worte der Schrift nach eigenem Gutdünken oder jeweiliger Notwendigkeit „auslegt“.

Naturreligionen dagegen besitzen weder einen Gründer, der sich das alles ausgedacht hat, noch „heilige Schriften“. Solche Schriften, die in bestimmten historischen Zusammenhängen entstanden sind und für diese Zeiten vielleicht gültig waren, müssen im Lauf von Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden natürlich unverständlich werden. Es bedarf dann großer Spitzfindigkeit und Manipulation, einen Text, der z.B. für ein vergleichsweise winziges nomadisches Volk aus dem Alten Orient vor 3000 Jahren seine Gültigkeit gehabt haben mag, für heutige nordeuropäische Gegebenheiten als „Wahrheit“ auszulegen bzw. überhaupt noch auf völlig veränderte gesellschaftliche Realitäten anwenden zu können.

Auf religiöser Autorität basieren Naturreligionen zwar auch, doch bei ihnen entspringt sie einer anderen Quelle. Was man glauben und tun soll, das sagt den Christen ihre Kirche, die sich dabei auf Konzile, Synoden und Bekenntnistexte beruft. Deren Antworten lauten einheitlich und grenzen zugleich eine Konfession gegen die andere streng ab. Das sucht man in Naturreligionen vergeblich. Dort beruht religiöse Autorität auf Erfahrung. Weil jeder Mensch neue und andere Erfahrungen macht, lehrt und handelt er auch anders als andere, vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Weltsicht versteht sich. Doch würde niemand aus Unterschieden in Lehre oder Praxis eine Abgrenzung von „wahrem“ oder „falschem“ Glauben folgern, wie es sich im religiösen Verständnis unserer Gesellschaft eingebürgert hat.

Naturreligionen beruhen also insgesamt weniger auf reinem „Glauben“, sondern auf konkreter und für alle nachprüfbarer Erfahrung. Dort werden Weisheiten nicht schriftlich fixiert, sondern mündlich weitergegeben. Mündliche Überlieferung aber passt sich stets den notwendigen Gegebenheiten an, ohne dass deswegen die symbolischen Bilder selbst verändert werden müssen. Dazu kommt, dass Naturreligionen Techniken kennen, die jedem Menschen helfen können, einen Kontakt mit höheren Mächten selbst herzustellen, selbst Antworten zu finden und Wahrheiten konkret überprüfen zu können und sich nicht auf letztlich unüberprüfbare Aussagen irgendwelcher Gurus, Priester oder angeblich „heiliger“ Schriften zu verlassen. Wenn z.B. ein junger Indianer seine Vision sucht und sich dazu unter Fasten und anderen Techniken lange in die Einsamkeit zurückzieht, kommt er danach mit Antworten zurück, nicht mit vagen Vermutungen. Dass auch Jesus genau dieselbe Technik anwandte, die auch zu denselben Ergebnissen führte, als er vierzig Tage in die Wüste ging und dort seine Vision hatte, scheint dabei kaum einem Christen bewusst zu sein. Und er sagte nicht „Betet mich an“ sondern „Folget mir nach“ (d.h. geht denselben Weg, den auch ich gegangen bin, um zu ähnlichen Erkenntnisen zu gelangen). Auch die katholische und die griechisch/russisch-orthodoxe Kirche kannte in früherer Zeit noch diese Techniken. Sie kennt sie immer noch, vermittelt sie aber bezeichnenderweise nicht mehr bzw. nur noch in klösterlichem Umfeld.

Die christliche Vorstellung eines „Heils“, das bereits von Gott selbst ein für allemal erwirkt ist, gibt es im Heidentum nicht. Dort bleibt es Aufgabe der menschlichen Gemeinschaft, im Zusammenhang mit göttlichen und natürlichen Kräften, dieses „Heil“ zu erwirken. Diese Aufgabe wird als Verantwortung für den Fortbestand einer harmonisch funktionierenden Welt gesehen, auf Gleichgewicht und soziale Ausgewogenheit, und das lenkt die religiöse Aufmerksamkeit und Hinwendung notwendigerweise auf das Hier und Jetzt der Gegenwart. Deshalb sind Heiden auch keine frömmelnden „Jenseits-Apostel“, sondern Menschen, die mit beiden Beinen fest im täglichen Leben stehen und für die das Handeln mehr zählt, als fromme Gedanken und Worte. Natürlich kennt man auch im Heidentum eine göttliche Kraft, die in allem wirkt und erkennbar ist. Diese erfahrbare Kraft ist aber gerade für die schwer fassbar, die sie nie erlebt haben, denn hier geht es nicht um Aussagen einer Lehre oder Theorie, sondern um konkrete eigene Erfahrungen, die dem religiös entfremdeten Durchschnittseuropäer oft fremd und unbegreiflich bleiben. Und weil diese Gabe die gesamte Schöpfung umfasst, fühlt man sich auch mehr mit Tieren, Pflanzen, Flüssen verbunden. Diese Haltung wurde früher als „Animismus“ bezeichnet und überlegen belächelt. Dieser Begriff ist in der seriösen Religionswissenschaft aber glücklicherweise schon lange eingemottet und in einem Zeitalter ökologischer Bewusstseinwerdung durch die realistischere Erkenntnis ersetzt worden, dass sich der Mensch in Naturreligionen eben nicht zum Herrn der Geschöpfe macht, sondern sich eher als Bruder unter Brüdern versteht.

In Naturreligionen kennt man keine radikale Trennung von Gott und Welt, keinen strengen Unterschied zwischen religiös und weltlich. Dort bildet Religion den ganzheitlichen Untergrund für das gesamte Leben, sie lässt sich nicht „ablösen“ und als eigene isolierte Rubrik betrachten. Es ist ja bezeichnend, dass im Heidentum, z.B. bei indianischen oder afrikanischen Kulturen, Arzt, Psychotherapeut und Priester oft noch immer eine Person sind, und das meistens sehr erfolgreich.

Aus all dem folgt natürlich auch, dass Naturreligionen nicht werben und keinerlei Mission betreiben, während die sogenannten „Weltreligionen“ alle Welt bekehren wollen. Naturreligionen halten sich auch in keiner Weise für „besser“ als andere Religionen, sondern sind zutiefst einem Weltbild verpflichtet, bei dem sich religiöse Unterschiede aus unterschiedlichen ethnischen Traditionen ergeben, die in jeder Hinsicht als natürlich, normal und vor allem gleichwertig akzeptiert werden. Begriffe wie „falscher“ oder „Irr-“ oder gar „Aberglaube“ kennen sie nicht, woraus sich eine Toleranz ergibt, die den Offenbarungsreligionen unbekannt ist, da diese sich notgedrungen zu der Behauptung erdreisten müssen, es gäbe nur eine einzige Wahrheit und Sichtweise, und sie hätten diese als einzige erkannt. Daraus folgt vor allem auch, dass das Heidentum keine „Sekte“ ist. Dieser Begriff reizt Heiden sehr zum Lachen, weil es „Sekten“ ja per Definition nur in zentral normierten Religionen geben kann, die gerade dem Heidentum fremd sind. „Sekte“ bedeutet immer „Abspaltung (von einem Hauptstrom)“. Das Heidentum aber ist keine Abspaltung von irgendetwas, sondern selbst der Hauptstrom der eigenen Religion, und zwar einer mit jahrtausendealter Tradition. Schließlich kommt auch niemand auf die Idee, die Römer und Griechen der Antike als „Sekte“ zu bezeichnen, nur weil sie ihre eigene heidnische Religion ausübten. Das heutige Heidentum wirbt nicht um Anhänger, sondern lediglich um Verständnis und Toleranz.

Einer der größten Unterschiede zwischen konventionellem Christentum und Heidentum liegt in der Beziehung zwischen Menschen und Gottheiten. Die meisten Menschen lernen schon in ihrer Kindheit, dass es nur einen einzigen männlichen Gott gibt, der allmächtig und allwissend ist und dessen Willen sie sich unterwerfen müssen, um religiöse und weltliche Erfüllung zu finden. Diese Lehre ist über Jahrhunderte dazu benutzt worden, um die Unterwerfung der Frauen, soziale Unterschiede und die Unterdrückung individuellen Denkens zu rechtfertigen. Im Gegensatz dazu ist im Heidentum Unterwerfung das letzte, was die Gottheiten fordern würden. Diese Gottheiten sprechen keine Gebote für die aus, die an sie glauben. Stattdessen bieten sie Herausforderungen, um Mut im Unglück und Stärke gegenüber Schwierigkeiten zu zeigen. Sie wollen, dass man selbständig als freier Mensch dasteht, um auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, die Gaben des Lebens und die Talente des eigenen Geistes zu nutzen, die eben diese Gottheiten einem verliehen haben, damit man den Lebensweg, den man gewählt hat, auch erfolgreich gestalten kann. Und daraus folgt nun eine der Einschränkungen, warum der alte heidnische Weg nicht für jeden Menschen geeignet ist: Menschen, die darauf angewiesen sind, dass andere oder irgendwelchen „heiligen“ Schriften ihnen dauernd sagen, was sie zu tun haben, Menschen, die nicht willens sind, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, Menschen, die zu schwach sind, eine überzeugte Ethik und einen individuellen Charakter aus sich selbst heraus zu entwickeln, Menschen, die z.B. in Form der biblischen Zehn Gebote erst ein göttliches Verbotssystem benötigen, um Selbstverständlichkeiten zu begreifen, für die ist der alte heidnische Weg in der Tat die falsche Alternative.

Einer der nachhaltigsten Schäden des Ein-Gott-Glaubens liegt in der Zerstörung der natürlichen Beziehung zwischen Männern und Frauen. Der christliche Gott wurde stets als männlich angesehen, die weiblichen Aspekte wurden über lange Jahrhunderte vom Christentum verteufelt und unterdrückt. Das geschah so nachhaltig, dass es gesellschaftlich bis heute nachwirkt. In den alten heidnischen Gesellschaften wurde das Weibliche hoch geachtet. So zeigt uns die nordeuropäische heidnische Mythologie, dass das Weibliche der Schlüssel zu verborgener Weisheit sein kann, und die Göttinnen sind sehr starke und eigenständige Kräfte. Der Gott der Bibel schuf den Mann nach seinem Bild und danach aus Adams Rippe eine Frau. In der nordischen Mythologie dagegen wurden der erste Mann und die erste Frau gleichzeitig aus zwei Bäumen geschaffen, einer Esche und einer Ulme. Wenn wir die heidnischen Mysterien verstehen, können wir auch die Männer und Frauen wieder besser verstehen. Wir können unsere Unterschiede sehen und damit beginnen, eine Einheit zu bilden. Dabei ist es sehr wichtig, die Ansichten der patriarchalischen Religionen aufzugeben. Eine Gesellschaft, an der die Frauen nicht gleichberechtigt teilnehmen können, kann niemals eine wirkliche Gesellschaft sein.

Ein weiterer großer Unterschied besteht darin, dass das Heidentum den Begriff der „Sünde“ nicht kennt. Natürlich gibt es auch dort eine Ethik, die sehr genau zwischen gutem und schlechten, zwischen ehrenhaftem und unehrenhaftem Tun unterscheidet. Die Vorstellung einer „Erbsünde“ aber (also die Vorstellung, man werde automatisch mit einem schweren seelischen Makel geboren) würde im Heidentum nicht den geringsten Sinn ergeben, genauso wenig wie die Vorstellung, kein Mensch könne selbst einen Zustand des Heils oder der „Erlösung“ erreichen, sondern der könne nur durch Priester als Mittler Gottes garantiert werden. Einerseits wachen die heidnischen Gottheiten also nicht kleinlich über Sünde und Tugendhaftigkeit, andererseits aber bieten sie auch keine Möglichkeit an, moralische Verfehlungen durch ein Reuebekenntnis vor ihrem Angesicht zu „vergeben“. Sie haben allerdings sehr viel mehr Verständnis für allzu menschliche Fehler, Schwächen und Bedürfnisse, als es der Gott der Bibel hat. Aber in heidnischer Tradition ist jeder Mensch für seine Taten und deren Konsequenzen voll und ganz selbst verantwortlich.

Bei den teilweise bizarren Aussagen und vor allem inneren Widersprüchen der Offenbarungsreligionen sollte es sehr zum Nachdenken anregen, dass die heidnischen Naturreligionen, die alle Jahrtausende älter als z.B. das Christentum sind, überall auf der Welt und unabhängig voneinander zu weitgehend identischen Ergebnissen gekommen sind. Wenn wir uns einmal ein Treffen zwischen einem indianischen Medizinmann, einem keltischen Druiden, einem afrikanischen Heiler, einer germanischen Seherin und einem sibirischen Schamanen vorstellen, dürfen wir sicher sein, dass diese Personen nicht annähernd mit solchen Verständigungsproblemen zu kämpfen hätten, wie es z.B. zwischen einem katholischen Theologen, einem jüdischen Rabbiner und einem muslimischen Imam der Fall wäre. Denn die erste Gruppe teilt konkrete eigene und identische Erfahrungen, während im zweiten Fall über abstrakte Aussagen von Schriften diskutiert würde. Wenn man in religiösem Zusammenhang überhaupt den Begriff „objekiver Wahrheit“ verwenden darf, dürfte er im Fall der heidnischen Gruppe also zumindest sehr viel überzeugender ausfallen.

Nun ist all das in einem Fall bereits von breiten Kreisen der Öffentlichkeit begriffen worden, nämlich im Fall der indianischen Religionen. Indianische Spiritualität erfreut sich im Westen hoher Wertschätzung. Kein Mensch würde diese Spiritualität heute noch als „primitives Heidentum“ bezeichnen, wie es noch vor 50 Jahren der Fall war, sondern viele Menschen haben verstanden, dass diese Form der Spiritualität vieles von dem heilen kann, an dem die Entwurzelung unserer Zeit so oft krankt.

Aber die indianischen Religionen sind nicht unsere eigenen Wurzeln. Und wenn wir etwas von ihnen lernen können, dann das, unser eigenes spirituelle Erbe wiederzuentdecken. Leider wissen die meisten Menschen einfach nicht, dass auch hierzulande genau die religiösen Traditionen existieren, die wir an exotischen Kulturen so gerne bewundern. Die vorchristlichen Religionen des alten Europa sind von ähnlich komplexem Zuschnitt, von einem solchen Reichtum an altem Wissen und Verständnis für die menschliche Natur und Zusammenhänge mit dem Göttlichen, wie die hochstehendsten Religionen aus anderen Teilen der Welt auch.

Oft hört man den Vorwurf, heidnische Religionen seien heutzutage lediglich ein Schmelztiegel verschiedener Traditionen und Philosophien aus aller Welt. Das mag auf große Teile der sogenannten Esoterik-Szene zutreffen, wo in der Tat Elemente völlig verschiedener Herkunft wahllos vermischt werden. Auf das Heidentum trifft das nicht zu, denn Heiden legen im Allgemeinen großen Wert auf die Kenntnis historischer Quellen und bemühen sich, ihre Religion so authentisch wie möglich zu leben. Außerdem wird behauptet, dass die heutigen Heiden gar keine richtige Vorstellung von den alten Traditionen haben und sie deshalb nicht so praktizieren können, wie ihre Vorfahren es taten. Es stimmt zwar, dass eine Menge Wissen zerstört wurde, aber sehr viel Wissen ist glücklicherweise auch überliefert worden, vor allem bei den baltischen und germanischen Religionen. Düster sieht es allerdings im Fall der Kelten aus, vom originalen keltischen Heidentum wissen wir in der Tat sehr wenig. Sicher sind unsere Rituale modernisiert worden, aber das müssen sie auch sein, denn wir leben im Hier und Jetzt. Die heidnischen Traditionen aber sind immer noch lebendig. Sie sind kein verkrustetes Gebilde, das in der Vergangenheit verhaftet ist. Die Zeiten haben sich geändert und wir mit ihnen. Was sich aber nicht geändert hat ist die menschliche Natur, und es ist heute noch genauso wichtig wie früher, uns und die geistigen Kräfte, die uns umgeben, zu verstehen.

Das alte Wissen ist nicht verschüttet. Es hat sich nicht nur in unzähligen Volksbräuchen erhalten, die bis heute sehr lebendig sind, in Märchen und Sagen, sondern in entlegenen Gegenden Skandinaviens und des Baltikums haben sich auch die alten Mythen und Techniken bis in moderne Zeit noch teilweise ungebrochen erhalten. Zudem hat die historische und religionswissenschaftliche Forschung hier in jahrzehntelanger stiller Arbeit sehr viel geleistet und viele der verloren geglaubten Details und Zusammenhänge ans Licht gebracht.

Kritik am Heidentum ist gerne erlaubt, sie macht genauso viel Sinn, wie Kritik an jeder anderen Religion auch. Sie sollte dann aber von Menschen kommen, die auch wissen, wovon sie reden. Kritik von Menschen, bei denen sich bei näherer Nachfrage dann herausstellt, dass sie kaum etwas Näheres über ihre eigene Religion wissen, geschweige denn über das Heidentum, bleibt in der Regel sehr unglaubwürdig. Wenn z.B. Christen nicht einmal wissen (oder nicht wissen wollen), welcher Religionszugehörigkeit Jesus war, ist die Grenze des Erträglichen wahrlich erreicht.

Besonders gewöhnungsbedürftig scheint vielen die Vorstellung des Glaubens an mehrere Gottheiten zu sein. Es ist aber ein grundlegender Irrtum, der bis heute von christlicher Seite besteht, die Wesensart der heidnischen Götter mit der ihres einzigen Gottes gleichzusetzen und darin einen unauflöslichen Gegensatz zu sehen. Schließlich haben auch Christen, Juden und Muslime genaue Entsprechungen zu den heidnischen Gottheiten: die große Zahl von Engeln, Erzengeln und anderen himmlischen Heerscharen mit genauer Abstufung ihrer Kompetenzen. Im Katholizismus kommt noch die gewichtige Schar der Schutzheiligen hinzu. Und deren Funktionen entspricht auch sehr viel mehr z.B. denen der heidnischen Götter. Die heidnischen Gottheiten sind nicht allmächtig oder allwissend, sie unterstehen einem höheren Prinzip, das allerdings nicht persönlich, sondern als ein ewiges Weltgesetz gedacht wird, dem alles unterworfen ist.

Was aber gerade von bibelgläubigen Christen dagegen eingewandt wird, lässt sich am leichtesten durch die Bibel selbst widerlegen. Aus zahlreichen Bibelstellen ergibt sich nämlich mit Sicherheit die Existenz zahlreicher Gottheiten. Man sollte mit Ps. 82 beginnen, wo schon am Beginn gesagt wird, dass Jahwe „inmitten der Versammlung der Götter“ steht. Dass die Israeliten auch weibliche Gottheiten (die „Himmelskönigin“) verehrten, geht ganz klar aus Jeremias 7, 18 und 44, 16 f. hervor. Gleichzeitig machen diese Stellen deutlich, dass es sich bei dieser Verehrung weiblicher Kräfte nicht um eine exotische Sonderform göttlicher Verehrung handelte. Im Buch der Richter 11,24 wird klar gesagt, dass andere Länder und Völker auch andere Götter haben, in I Sam. 26,9 klagt David darüber, dass er außerhalb seines Landes auch zu anderen Göttern beten müsse, in Jon. 1,3 will sich der Prophet Jonas dem Machtbereich Jahwes durch Flucht nach Tarsis entziehen. In 5 Mose 4,19 wird Jahwe „Gott der Götter“ genannt, in 5 Mose 4,19 und 29,25 ist anderen Völkern auch die Verehrung anderer Götter zugeteilt. Auch Jes.Sirach 17,14 nimmt an, dass über andere Völker auch andere Götter herrschen. Die Beispiele ließen sich beliebig vermehren. Gerade die Bibel geht also von der Existenz zahlreicher Gottheiten aus. Der dort verehrte Jahwe war lediglich der für die Gegend „zuständige“ Gott, und immer wieder wird gerade in der Bibel gesagt, dass er ausschließlich der Gott des Volkes Israel und keines anderen Volkes sei. Insofern stößt gerade biblisch orientierte christliche Kritik am Heidentum oft ins Leere. Sie ist in der Regel meistens ziemlich peinlich, weil sich dadurch regelmäßig offenbart, dass die meisten Christen das Alte Testament nicht einmal ansatzweise kennen.

Natürlich begegnet man oft der grundsätzlichen Frage, wozu eigentlich überhaupt noch Religion? Aber diese Frage klingt, als könne man Religion einfach abschaffen und ist in etwa so sinnvoll, wie die Frage, warum man noch denken sollte. Religiöse Fragen stellen sich von selbst. Die marxistische Theorie, nach der das Phänomen Religion nur die Kompensation menschlichen Leids und Elends sei und Religion von selbst verschwinden würde, wenn man eben dieses Leid und Elend abschafft, hat sich nicht nur als historisch völlig falsch erwiesen, sondern ging vor allem von einem für das 19. Jahrhundert typischen völlig eurozentrischen Weltbild aus. Schließlich ist Religion ja kein Produkt der westlichen Industriegesellschaft, sondern gerade „glückliche“ Naturvölker hatten stets die weitentwickelsten und blühendsten Religionen. Natürlich kann man die Frage nach der eigenen Endlichkeit und nach dem Sinn des Lebens verdrängen, sich ablenken und versuchen, nur in der Gegenwart zu leben (eine ganze Unterhaltungsindustrie lebt davon), aber keinem Menschen wird es gelingen, die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu verdrängen. Sie werden ihn einholen und am Ende mit umso größerer Wucht zurückkommen. Aus dem geradezu panischen Zwang, das eigene Glück in der begrenzten Lebenszeit selbst herstellen zu müssen, koste es was es wolle, und dieses Glück vor allem in materiellen und nicht in eigenen geistigen Fortschritten zu suchen, entsteht das meiste Unheil in dieser Welt. Wer aber nicht alle äußerlichen Glückserwartungen in den wenigen Jahren seiner Lebenszeit unterbringen muss, der lebt einfach gelassener – und vor allem glücklicher.

Natürlich muss man nicht dem Heidentum anhängen, um ein glückliches und erfülltes Leben führen zu können. Das gründet sich viel mehr auf die Fähigkeit, mit der Freiheit, die unsere Gesellschaft uns bietet, auch umgehen zu können und Verantwortung für das eigene Tun zu zeigen. Das erfordert eine gewisse Stärke, die nicht alle Menschen in gleicher Weise besitzen. Gerade die heidnischen Religionen aber können unsere geistigen Möglichkeiten stärken, uns mehr Chancen bieten und unser Denken erweitern – nicht einengen. Denn der heidnische Glaube ist frei von jeglichen festgeschriebenen Dogmen, und Einzelne können ihre Veranlagungen frei entwickeln. Er lehrt uns vor allem auch, für unser eigenes Leben die Verantwortung zu übernehmen. Die Freiheit, die uns glücklicherweise auch in religiösen Fragen zu Gebote steht, sollten wir nutzen, um den Weg zu wählen, der unserem Leben die beste Selbstverwirklichung zuteil werden lässt.

Die heidnische Bewegung in heutiger Zeit ging von den skandinavischen Ländern aus, in denen die alten Traditionen ja am längsten überlebt hatten. Das heutige Heidentum ist nicht zentral organisiert. Es gibt keinerlei heidnische „Kirche“, es gibt keine zentrale Führung und erst recht keinen „Guru“ oder ähnliche Figuren, die irgendeine Lehre vorgeben, der man zu folgen hat. Solche Tendenzen sind dem Heidentum völlig fremd, wie aus dem bisher Gesagten hoffentlich deutlich genug hervorgehen sollte. Die Szene besteht aus zahlreichen kleinen Gruppen und Einzelpersonen in vielen Ländern, die zwar auf lokaler Ebene oftmals Kontakt haben und mehr oder weniger zusammenarbeiten, die im allgemeinen aber höchst individuelle Meinungen haben. Genau dieser letzte Umstand steht einer zentralen Bewegung auch sehr entgegen, und sehr viele Heiden sind genau darüber auch sehr froh. Auch der Eldaring versucht diesen Zustand nicht zu ändern. Der Verein bemüht sich lediglich darum, Interessierten durch Mitgliedschaft mit Informationen, Kontakten usw. weiterhelfen zu können, woran bei vielen Menschen tatsächlich großes Interesse besteht. Und wenn es mit diesen Zeilen gelingen würde, auch in der breiten Öffentlichkeit ein paar der dümmsten Vorurteile abbauen zu können, wäre das einer der schönsten Erfolge.

Asatru – Was ist das eigentlich?

Vor dem Hintergrund, dass wir unseren Netzladen www.asatru-shop.com unter diesem Begriff führen, möchten wir nun etwas zum besseren Verständnis dieses Wortes beitragen. Auf Grund der Komplexität des Themas wird es zunächst drei Teile und danach möglicherweise noch Erweiterungen geben.

Mit Asatru (eigentlich Ásatrú) bezeichnet man die Rekonstruktion des nordisch-germanischen Glaubens. Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen, altnordisch áss steht für Götter und trú für Treue. Diese Bezeichnungen finden sich bereits in der Snorra-Edda aus dem 13. Jhdt. und der Komponist Edvard Grieg verwendete den Begriff “Asetro” 1870 in einem seiner Werke als Bezeichnung für das germanische Heidentum. Bei dem Wort handelt es sich somit um eine eingedeutschte Lehnübersetzung aus der dänischen bzw. altnordischen Sprache. Weitere Begriffe, die im wesentlichen das Gleiche bezeichnen, sind “Forn Siðr” (altnordisch für “Alte Sitte”, bei uns in Deutschland manchmal auch mit “Alter Weg” übersetzt) oder auch Odinismus (Bezug auf den Gott Odin). Schriften aus der späten Wikingerzeit berichten uns sowohl von der “alten” wie auch von der “neuen (= christlichen) Sitte”.

Asatru ist eng an den zugehörigen Kult und somit an die jeweilige Kult-ur gebunden. Von einer Religion im Sinne unseres heute vorwiegend christlich geprägten Religionsverständnisses zu sprechen erscheint kaum möglich. Aber auch das Wort “Glauben” ist sehr missverständlich, denn es geht nicht darum, etwas zu glauben, was man nicht weiß, sondern darum, dem zu vertrauen, was man kennt oder auch erfahren hat. Asatru wird daher als Erfahrungs- oder Naturreligion verstanden, und man spricht auch vom Neuheidentum, um damit zu verdeutlichen, dass es keine ununterbrochene Tradition gibt.

Im Gegensatz zu einer Offenbarungsreligion wie dem Christentum existiert kein menschlicher “Offenbarer”, keine heilige Schrift, keine Dogmen oder Sünden und auch keine Priester im kirchlichen Sinn. Hieraus folgt nicht selten die Ansicht, es gäbe ja nicht viel, auf das man sich dann bei einer Rekonstruktion beziehen könne. Das ist allerdings weit gefehlt, denn die Forschung hat inzwischen viel mehr zu bieten als uns oberflächlich betrachtet dazu einfiele.

Sigurd und ReginAls wichtigste Quelle gelten die beiden isländischen Bücher “Lieder- und Prosa-Edda” aus dem 13 Jhdt. mit ihren skandinavischen Götter- und Heldensagen. In diesen finden sich auch verarbeitete Inhalte kontinentalgermanischer Heldensagen, wie beispielsweise des Niebelungenliedes. Diese doch noch recht jungen Schriften haben aber einen viel älteren Bezug. Sie sind im wesentlichen auf die Völkerwanderungszeit zurückzuführen, aber manche Elemente gleichen denen, die ganz woanders und in einem der ältesten Literaturdenkmäler der Menschheit niedergeschrieben wurden: Den Hymnen der altindischen Rig-Veda (etwa 1000 bis 1500 v. d. Zt.). Diese Schrift wurde lange vor dem Entstehen des Hinduismus oder auch des Buddhismus verfasst und ursprünglich nur mündlich überliefert.

Zitat: “Die Texte des Rigveda sind mündlich, ohne die Kenntnis von Schrift verfasst und über mindestens drei Jahrtausende so vom Vater zum Sohn und vom Lehrer zum Schüler überliefert worden. Der Glaube, dass nur das exakt rezitierte Dichterwort die in ihm wohnende Kraft hervorbringt, hat eine sonst nirgendwo zu findende, getreue Überlieferung bewirkt, welche die der klassischen oder biblischen Texte bei weitem übertrifft. Die Genauigkeit ist so groß, dass man von einer Art Tonbandaufnahme von etwa 1000 v. Chr. sprechen kann.” Sprachwissenschaftler, die sich mit der indoeuropäischen Ursprache befassen, sind sich mit den Archäologen inzwischen einig, dass es einen gemeinsamen Ursprung geben muß. Aus ebenfalls der gleichen Quelle speisen sich neben der germanischen beispielsweise auch die keltische, griechische, römische und slavische Mythologie. Ob es bei uns in Europa wohl ähnliche spirituelle Praktiken wie im Hinduismus oder im Buddismus gäbe, wenn die Christianisierung nicht stattgefunden hätte?

GoetterfigurAuch ein Großteil des heute noch bei uns existierenden Brauchtums hat einen heidnischen Hintergrund, unsere Wochentage sind nach Göttern benannt, alte Ortsnamen lassen sich auf Kult- und Weihepraktiken zurückführen und auch Europa ist nicht nur ein Kontinent, sondern ursprünglich der Name der Geliebten des höchsten griechischen Gottes, Zeus. Dieser gilt wiederum als ursprünglich europäischer Hauptgott und heißt bei uns Ziu, Tiwaz oder Tyr, bei den Römern Mars, im keltischen Nuada, im baltischen Lettland wie auch in Indien Dyaus. Eine solche Gleichsetzung verschiedenster Götter aus unterschiedlichen Regionen und Mythologien kann zum Verständnis der Entwicklungsgeschichte von Kultur und Religion sehr hilfreich sein, aber auch nur dafür! Aus heutiger Sicht sind nämlich selbst Odin und Wotan keineswegs dieselben Götter. Da soll doch noch mal einer behaupten, es gäbe ja nicht viel…

Ein Schwerpunkt bei nahezu allen heidnischen Religionen ist der Ahnenkult. Dieser bezieht aber im Gegensatz zum Totenkult nicht nur direkte (also noch bekannte) Vorfahren, sondern auch Menschen, deren Leben schon lange zurückliegt, und vor allem auch mytische Ahnen ebenso wie Gottheiten mit ein. So mussten sich europäische Könige früher über die Abstammung vom höchsten der germanischen Götter, nämlich Wotan, legitimieren. Weil ein solcher Nachweis regulär natürlich schwer zu erbringen war, wurde wohl auch schon mal der eine oder andere Stammbaum etwas abgeändert.

Eine polytheistische Religion wie das germanische Heidentum erscheint aus heutiger Sicht in Deutschland ungewöhnlich, aber dennoch war es einst die am weitesten verbreitete “Sitte” in Europa. Der Verehrung diverser Götter und Göttinnen dürfte früher aber bei weitem nicht der Stellenwert beigemessen worden sein, wie es heute oftmals der Fall ist. Zumindest bei der Mehrzahl der Menschen, also beim einfachen Volk, war das Augenmerk offensichtlich viel mehr auf die “niedere” Mythologie gerichtet. Mit Riesen, Zwergen, Alben, Elfen, Landwichten, Disen, Walküren und Nornen musste man sich gutstellen, denn ihr Einfluss galt als wesentlich für das persönliche Schicksal des Menschen.

Vorsicht vor Neunholz: Gefälschter Asatru Shop

Wir möchten ausdrücklich vor dem gefälschten Asatru-Shop von Ralf Matthies warnen (Neunholz), welcher die *.de Domain vom echten Asatru Shop geklaut hat und nun versucht vom guten Ruf des Originalen Asatru Shops zu profitieren.

Ralf Matthies ist auch bekannt als Betrüger auf Mittelalterspektakeln, wo er mit seiner Frau sich gerne als Handwerker einnistet um günstiger oder gar kostenfrei seine gewerblichen Artikel zu verkaufen. Er hat unter den Händlern auf Mittelalter-Märkten daher einen sehr schlechten Ruf, da er sich die teure Standgebühren erspart indem er sich als „Handwerker“ ausgibt.
Tatsächlich ist Ralf Matthies (Neunholz) aber kein Handwerker, sondern ein professioneller Händler, der nur ganz wenig Artikel selbst herstellt.

Durch diese Methoden schafft sich Ralf Matthies einen illegalen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Händlern auf Mittelaltermärkten. Doch damit nicht genug: Er hat vor einiger Zeit sich die *.de Domain vom beliebten Asatru-Shop.com erworben um die Kunden vom Asatru-Shop.com auf schwäbiger Weise abzuwerben und zu täuschen.

Wir raten daher allen dringend davon ab, bei dem nachgemachten Asatru Shop einzukaufen.

Der Asatru Shop – Ein Versandhandel für Heiden

Der Asatru Shop ist ein Versandhandel für Heiden und Metal-Fans.

Wer sich für germanisches Heidentum interessiert, findet beim Asatru Shop sehr viele interessante Artikel. Neben zahlreichen Tonträgern von heidnischen Musikern, findet man beim Asatru Shop auch T-Shirts mit heidnischen Motiven, Trinkhörner, Bücher oder auch Schmuck.

Hier geht es zum Asatru Shop


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